Gerhard Riegler: Claudias Rechentest

Heute erreichte mich eine streng geheime Information aus gewöhnlich gut informierten Kreisen: BM Schmied soll sich im Rahmen der Bildungsstandards-Testung selbst einem Rechentest unterzogen haben.

Hier einige ausgewählte Beispiele:

Frage 1

Die Testung der Bildungsstandards in Mathematik kostet 36.000.000 Euro und 86.000 SchülerInnen nehmen daran teil. Wie errechnen sich die Kosten pro SchülerIn?
a) 36.000.000 dividiert durch 86.000
b) 36.000.000 mal 86.000
c) 86.000 dividiert durch 36.000.000
d) 36.000.000 minus 11 Millionen dividiert durch viermal 86.000

Frage 2

Insgesamt besuchen 112 SchülerInnen die 4. Klassen einer AHS. Verteile die SchülerInnen so auf vier Parallelklassen, dass in keiner die Klassenschülerhöchstzahl 25 überschritten wird!
a) Diese Aufgabe ist im realen Zahlenraum nicht lösbar.
b) 28 SchülerInnen sind gerundet ohnehin nur 25.
c) 112 dividiert durch 4 ist 25.
d) Die AHS konvertiert zur NMS und hat fünf Klassen mit deutlich unter 25 SchülerInnen pro Klasse.

Frage 3

Du bekommst 100 Millionen Euro zusätzlich für das Unterrichtsbudget. Wie teilst du dieses Geld optimal auf?
a) Ich dividiere die 100 Millionen durch die Anzahl der SchülerInnen und teile das Geld entsprechend zu.
b) Ich dividiere die 100 Millionen durch die Anzahl der Klassen und teile das Geld entsprechend zu.
c) Ich schicke das Geld ans BIFIE für Bildungsstandards-Testungen.
d) Ich teile das Geld gleichmäßig auf Inserate in „Heute“ und „Österreich“ auf.

Frage 4

Bei einer Umfrage zum Einführungstermin der Zentralmatura waren von 1000 Befragten 900 für eine Verschiebung um 2 Jahre, 80 für keine Verschiebung und 20 für eine Durchführung noch im Juni 2012. Welche Schlüsse ziehst du daraus?
a) Ich sollte die Zentralmatura um zwei Jahre verschieben.
b) Da muss ich erst Hannes Androsch fragen.
c) Meine ExpertInnen erklären, dass die Durchführung im Juni 2012 eher schwierig werden könnte.
d) Eine Mehrheit von 80 Menschen ist für die Beibehaltung meines Plans und die restlichen hole ich mir zu einer Fortbildung nach Wien.

Frage 5

Wenn du die Arbeitszeit künftiger LehrerInnen um 20 Prozent erhöhst und die Lebensverdienstsumme um 20 Prozent senkst, hat das welche Auswirkungen auf den Andrang bei Lehramtsstudien?
a) Keine. Die beiden Maßnahmen gleichen einander aus.
b) Künftige LehrerInnen werden spätestens ab dem dritten Dienstjahr einen Job beim BIFIE anstreben, MasochistInnen werden LehrerInnen bleiben.
c) Das interessiert mich nicht, weil ich dann ohnehin schon wieder in einem Bankvorstand sitzen werde.
d) Es werden junge Menschen massenweise die Lehramtsstudien stürmen. Wir werden von ihnen nur die Besten der Besten in diese gesellschaftlich so wichtige Berufsgruppe aufnehmen.

Die Antworten sind angeblich schon ausgewertet, auch die Kontextfragen („Hat dich der Bundeskanzler immer gleich gern?“, „Was hat dein Verhältnis zu Geld geprägt?“ und ähnliche). Die Ergebnisse sollen aber erst ab 1. Dezember 2012 via Internet mitgeteilt werden. Aber auch nur denjenigen, die den achtstelligen TOPSECRET-Code „SCHMIED1“ erraten.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.


9 Gedanken zu “Gerhard Riegler: Claudias Rechentest

  1. Und wieviel Antworten darf ich ankreuzen?
    a) insgesamt
    b) pro Frage

    Und wie oft darf ich den Test wiederholen?
    a) gar nicht
    b) sooft bis er richtig ist

    Und wie werden meine Fragen gewichtet, wenn ich einer der folgenden Gruppen angehöre (Gibt es zusätzliche Bonuspunkte, wenn man überall dazugehört?)
    a) GewerkschaftsmitgliedIn (zur Sicherheit gegendert, obwohl Neutrum, gibts dafür Bonuspunkte?)
    b) SPÖ-MitgliedIn
    c) LehrerIn
    d) ExpertIn

    Ersuche um Antwort. Warte gerne bis Juli 2014 (Bonuspunkte?)

  2. Zur Frage 1 ein Analogiebeispiel:

    Ein Lehrergewerkschafter kauft ein neues Haus, für das er 200.000 Euro bezahlt. Nach hundert Tagen wird er gefragt, ob er jetzt billiger wohne als zuvor zur Miete.
    Antwort des Lehrergewerkschafters: „Ich habe erst gestern Bilanz gezogen: Mein Haus kostet mich 2000 Euro pro Tag!“

    Anmerkung Quin: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich 😉

    1. Wollen wir E. Quin zugute halten, dass er in diesen Tagen viel um die Ohren hat.
      Mein Beispiel mit dem Haus sei ein hinkender Vergleich, meint er.
      Versuchen wir also, ein wenig intellektuelles Niveau in diesen Blog einzubringen.
      Bevor ich den Vergleich analysiere, noch ein anderes Analogiebeispiel:
      Die Firma Opel baut ein neues Autowerk auf die grüne Wiese, Kostenpunkt 500 Mio. Euro. Als das erste Auto vom Band läuft, findet eine große Feier statt. Dort fragt ein Journalist, was denn dieses Auto im Handel kosten würde: 30.000 Euro, wird ihm beschieden. Darauf erscheint am nächsten Tag ein Artikel in der Zeitung: „Riesen-Flop bei Opel! Schon das erste Auto bewirkt einen Verlust von 499.970.000 Euro.“ (Zur Erklärung: Aufwand: 500 Millionen minus 30.000 Ertrag dividiert durch 1.)

      Zur Effizienz-Berechnung macht die Formel „Aufwand dividiert durch Output“ prinzipiell schon Sinn: Wenn ein Lehrer in Pension geht und seine Kollegen zum Abschied zu einem Heurigen einlädt, dann könnte das etwa so aussehen: „1000 Euro Gesamtkosten dividiert durch 50 Lehrer ergibt 20 Euro pro Kopf“. Mit 1000 Euro kann man also 50 Lehrer verköstigen, wenn man 20 Euro pro Person veranschlagt. Woanders kostet es vielleicht 25 Euro pro Person, das ist halt dann der Unterschied in der Effizienz der eingesetzten Mittel.
      Eine solche Division ergibt aber nur dann ein sinnvolles Ergebnis, wenn am Ende vom Dividenden nichts mehr übrig ist: nach dem Heurigen sind die 1000 Euro des Neo-Pensionisten komplett aufgebraucht.
      Die Analogie von Quins Mathematiktest-Beispiel + meinem Haus-Beispiel + meinem Opel-Beispiel besteht darin, dass in allen drei am Ende der Dividend mitnichten weg ist, sondern noch immer vorhanden: Das Bifie gibt es nach dem Mathematik-Test nach wie vor, das Haus ist nach 100 Tagen unverändert im Eigentum des Lehrergewerkschafters, und das Autowerk steht auch dann noch im frischen Glanz da, nachdem der erste Wagen vom Band gelaufen ist.
      Natürlich kann man auch in solchen Fällen Effizienz-Berechnungen anstellen, aber nicht mit willkürlich gewählten Divisoren.

      Wem das mathematisch zu mühsam ist, dem kann ich es auch so erklären, wie es ein Bauer am Stammtisch versteht: Der weiß nämlich, dass man beim Schnapsen mit einer Karte in einem Spiel nicht zweimal stechen kann. Wenn E. Quin die 36 Millionen in vollem Ausmaß dem Bifie als Aufwendung für die Mathematik-Testung in Rechnung stellt (*), dann hieße das ja, dass z.B. die Englisch-Matura-Aufgaben, welche das Bifie schon seit einigen Jahren produziert, völlig gratis gewesen sein mussten: Die Karte „36 Millionen“ sticht halt nur einmal.
      (*) Am 23. 5. behauptete E. Quin in einer OTS-Aussendung, dass ein Mathematiktest 425 Euro gekostet hätte (36 Mio. Euro ans Bifie dividiert durch 85.000 SchülerInnen).

      Anmerkung Quin: Es wäre schön, wenn die Zentralmatura quasi eine Gratis-Zugabe wäre. Die 36 Millionen wurden nur für die Standards ausgegeben.

      1. Und „die Standards“ bedeutet dann wirklich nur diese eine Mathematik-Testung im Mai 2012 mit den 85.000 SchülerInnen?
        Für die Englisch-Tests 2013 wird es also dann nochmals 36 Millionen geben?
        (Womit wir wieder beim Thema des aufgebrauchten Dividenden wären.)

  3. Die Testung der Bildungsstandards in Mathematik kostet 36.000.000 Euro und 86.000 SchülerInnen nehmen daran teil. Wie errechnen sich die Kosten pro SchülerIn?
    a) 36.000.000 dividiert durch 86.000
    naja, das ist dann wohl auch etwas kurzsichtig….

    Anmerkung Quin: Antwort b ist sicher viel weitsichtiger 😉

    1. 418€ pro Schüler ist ja gar nicht so viel: wenn man die Kosten für Papier und Kugelschreiber abzieht, so sind das nur noch ca. 417,5€ pro Schüler

      Ansonsten möchte ich gerne Thilo Sarrazin sinngemäß zitieren: wenn die anderen ihre Zahlen zu ihren Gunsten auslegen, darf ich (sinngemäß hier Quin) – zur Aufzeigung dieses Irrsinns die Zahlen ebenso zu anderen Gunsten auslegen

  4. Viel Lärm um nichts!
    Jahrelang wurden AHS-Lehrer und Direktoren auf die Implemntierung der Bildungsstandards hingetrimmt. Es gab jede Menge Schulungen, Feldtestungen, Hinweise auf die Wichtigkeit auf die Testung usw.
    Und wie man am 23. Mai bei den Mathematiktestungen gesehen hat gesehen hat, wurde statt eines Elefanten eine Maus geboren.
    Die SchülerInnen der 4. Klassen am BG/BRG hatte am Ende der ersten Testeinheit nach 45 Minuten schon fast alle Beispiele gelöst.
    Die zweiten 45 Minuten nutzten sie großteils zum Lesen.
    Außerdem, was soll das Ganze, wenn das Ergebnis erst im Dezember bekannt wird und keinerlei Einfluss auf die Note in Mathematik hat.
    Die 36 Millionen € sollten lieber für Verbesserungen im Schulwesen eingesetzt werden z.B. für die Einhaltung der Klassenschülerhöchstzahl 25.

  5. Solange sie testen – Ministerin und Co. – ,sind sie von anderen Schandtaten wohl abgehalten. Wie hieß es im Märchen, … die guten ins …. Wo wird sich das Bildungssystem in wenig Jahren befinden? Im Töpfchen oder im Kröpfchen? Alle „Bildungsumbringbeteiligte“ haben ihre Schäfchen schon längst im Trockenen, das ist sicher! Da spielt auch die derzeit lächerliche Ankreuzbildung ohnedies keine Rolle!

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