Was auch immer es ist…

„Equo ne credite, Teucri. Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes.“ („Traut dem Pferd nicht, Trojaner! Was auch immer es ist, ich fürchte die Danaer, selbst wenn sie Geschenke bringen.“) Diesen Satz legt Vergil in seiner „Aeneis“ dem trojanischen Priester Laokoon in den Mund. Die Griechen gaben vor, die Belagerung Trojas aufzugeben und der Stadt zur Ehre der Götter ein hölzernes Pferd zu schenken. Darin hatten sich aber griechische Kämpfer versteckt. Laokoon erkannte den Betrug…

Detail aus der Laokoon-Gruppe

Gestern fand die groß angekündigte erste Gesprächsrunde zum neuen Lehrerdienstrecht statt. Das zweistündige Treffen mit den drei Ministerinnen Fekter, Heinisch-Hosek und Schmied verlief in konstruktiver Atmosphäre. Es wurden v. a. technische Details zum weiteren Vorgehen und einige Eckpunkte geklärt, wie etwa das Bekenntnis zu höheren Einstiegsgehältern und abgeflachten Gehaltskurven. Am Ende wurde uns als Geschenk ein 26-seitiges Papier überreicht: Entwürfe zu Gesetzestexten, in die ein neues Lehrerdienstrecht gegossen ist. Dieses Papier werden wir nun genau analysieren und bewerten, um dann Gespräche auf Beamtenebene aufzunehmen. Vereinbart wurde – wie auch bei Kollektivvertragsverhandlungen üblich –, mit konkreten Inhalten nicht an die Öffentlichkeit zu gehen.

Selbst wenn ich wollte, könnte ich noch keine Bewertung der Dienstgeberposition vornehmen. Allerdings bin ich vorsichtig. Die medialen Rülpser von ProvinzpolitikerInnen aus Salzburg und Kärnten, ein 27-Milliarden-Sparpaket, Milliardenspritzen für marode Banken wie die Bad Bank der Kommunalkredit etc. halten meinen Optimismus in bescheidenen Grenzen, dass mich das Geschenk der Dienstgeberseite entzücken wird.

Es geht nicht „nur“ um Gehaltsverläufe und Lebensverdienstsummen, sondern um die Schaffung attraktiver beruflicher Perspektiven für MaturantInnen im pädagogischen Bereich. Wenn es uns nicht gelingt, jungen Menschen den Beruf schmackhaft zu machen, steuern wir auf einen Mangel an LehrerInnen zu, wie ihn dieses Land noch nie gesehen hat.

Jeder, der wie wir LehrerInnen häufig mit MaturantInnen spricht, weiß, wie gering die Anziehungskraft dieses Berufes bereits jetzt ist. Unsere SchülerInnen sind keine „ExpertInnen“, sondern Insider: Sie erleben täglich, wie sehr unser Beruf fordert. Besonders gering ist der Drang nach pädagogischer Karriere bei Kindern von LehrerInnen. Hautnah erleben sie, wie Abende und Wochenenden in Serie mit Korrektur- und Vorbereitungsarbeiten zugepflastert sind, während gleichzeitig manche PolitikerInnen und JournalistInnen vom überbezahlten Halbtagsjob mit vier Monaten Urlaub faseln. „Ich bin doch kein Masochist!“ sagte der Sohn einer Kollegin jüngst zu seiner Mutter, als sie ihn fragte, ob er nicht ein Lehramtsstudium beginnen wolle.

Wenn uns der Dienstgeber ein attraktives Dienstrecht verweigert, könnte die Unterrichtsministerin irgendwann einmal nur mehr Konkurs anmelden und den Schulversuch „Schule ohne LehrerInnen“ ausrufen. Die Lage ist ernst. Ich wünsche mir jedenfalls ein dermaßen attraktives Dienst- und Besoldungsrecht für neue LehrerInnen, dass sich die Besten eines Jahrganges für den Lehrberuf entscheiden. Das bin ich der Zukunft meiner Kinder und meinen Kolleginnen und Kollegen schuldig.

Bild: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/32/Laoconte-cabeza.jpg


9 Gedanken zu “Was auch immer es ist…

  1. ja, es scheint schwer zu erfassen, dass Kinder unser bestes Kapital für die Zukunft sind. Die Hilfsmaßnahmen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sind dann wieder leichter zu finanzieren

    1. Ich werde schön langsam den Eindruck nicht mehr los, dass Österreichs exquisite Position vorsätzlich aufs Spiel gesetzt wird und verspielt werden soll. Ein böser Verdacht? Eine ungerechtfertigte Verdächtigung?
      Die Alternative dazu wäre aber vollkommene Verblendung seitens politischer Entscheidungsträger.

      Mein Appell an die Politik:
      Lest doch endlich die Ergebnisse all der internationalen Studien, die ihr mit unseren Steuergeldern mitfinanziert! Andernfalls erspart dem Steuerzahler zumindest diese Kosten und meldet Österreich als Teilnehmerland an all den Studien ab!
      Gebt öffentlich zu, dass euch Interesse oder Kompetenz fehlt, zu lesen, was geschrieben steht!
      Nicht nur Banken kann man in den Ruin führen.

  2. die neuesten artikel auf orf.at usw. lassen junge ahs-lehrer immer mehr an der jobwahl zweifeln, ich hoffe die ahs-gewerkschaft unterstützt nicht den vorschlag, dass uni-absolventen gleich viel wie pädak-absolventen verdienen sollen, sondern setzt sich für die jungen ein!

  3. Aus der PRESSE:

    „Jürgen Rainer (FCG), Vertreter der Lehrer an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), zeigte sich sogar positiv überrascht: ‘Das ist deutlich mehr, als wir jemals erwarten konnten’, kommentierte er die überreichten Papiere.“

    Na, dann ist ja alles paletti, wenn wir mehr bekommen werden, als wir je erwarten konnten. Am Ende der Verhandlungen werden die alten Lehrer die jungen noch beneiden …

    Anmerkung Quin: Kollege Rainer meinte damit nicht den Inhalt des Papiers, den er zum Zeitpunkt seines Interviews noch gar nicht kennen konnte, sondern den Umfang. Vor einem Jahr hat Kollege Neugebauer nämlich nicht 26 klein bedruckte Seiten Gesetzestext, sondern wenige groß bedruckte A4-Seiten mit Überschriften erhalten.
    Die Aussagen des Vorsitzenden der ARGE Lehrer Paul Kimberger sind wohl eindeutig:
    „Das, was uns die Ministerinnen übergeben haben, ist dürftig. Von einem guten Paket sind wir noch weit weg.“ (Kurier ONLINE am 4. Mai 2012)
    „Die Lehrer zeigten sich vom Angebot der Regierung unisono ‚enttäuscht‘. Details wollte man nicht nennen, aber: ‚Eine Arbeitszeiterhöhung ohne vollen Lohnausgleich wird es mit uns nicht geben‘, so Kimberger.“ („Österreich“ ONLINE am 4. Mai 2012)
    „Wir wollen ein modernes Dienstrecht, aber gegen ein Lehrer-Sparpaket werden wir uns wehren.“ (Neues Volksblatt vom 2. Mai 2012)

    1. Die Lehrer und ihre „Privilegien“ sowie die gewerkschaftliche Konsequenz daraus

      Fiskalpakt, ESM, nationaler Stabilitätspakt. – Nach dem Fiasko, das die Finanzmärkte angerichtet haben, ist Sparen bei den Bürgern angesagt. Bei allen! Nach dem griechischen Beispiel werden nun die Arbeitnehmer ganzer Volkswirtschaften zu modernen Sklaven degradiert.

      DieTätigkeit der Lehrer wird dabei gewohnheitsmäßig und bewusst in den populistischen Schaukasten der Regierungen und der medialen Berichterstattung gestellt. Ihr Arbeitsaufwand, ihr Arbeitsumfeld eignet sich vorzüglich dafür, die ersten Angriffe gegen die Arbeitnehmer zu starten, denn ihr tatsächlicher Tätigkeitsbereich, ihr wirklicher Arbeitsaufwand findet naturgemäß nicht nur an der Schule statt. Das in erster Linie deshalb, weil der Arbeitgeber es bis heute nicht geschafft hat, den Lehrern die Räumlichkeiten und die nötige Ausstattung zur Verfügung zu stellen, welche sie zur Ausübung ihres Berufes benötigen: Fachbibliotheken und Arbeitsräume sind nicht vorhanden und kosten Geld, welches der Staat für den Bildungsbereich nicht auszugeben gedenkt. Die 40-Stunden-Woche an den Schulen mit der entsprechenden Arbeitsausstattung wäre für jeden Lehrer eine spürbare Entlastung.

      Die Ferienordnungen und die so genannte Urlaubszeit der Pädagogen eignen sich jedoch vorzüglich dafür, Neidkomplexe unter der Arbeitnehmerschaft zu entfachen. 9 Wochen Sommererien – zu lang, und dazu noch die anderen Ferienwochen! Wer hat das schon in der Privatwirtschaft? So der Tenor der Berichterstattung. Die Reaktion der Zielgruppe lässt nicht lange auf sich warten: Ohne eine Ahnung von der tatsächlichen Arbeitsleistung der Pädagogen zu haben, erfolgt die erwünschte Reaktion nach dem Florianiprinzip. Dass die Arbeitsbedingungsverschlechterer während dieses Reflexes nicht mitbekommen, dass ihre Arbeitsbedingungen, ihre Löhne und Gehälter die nächsten sind, welche angegriffen werden, ist Teil der Strategie.

      Dazu gesellen sich Schauermärchen über die Gehälter der Pädagogen. Zwei Beispiele für die wirkliche Entlohnung gefällig? Die derzeit in ganz Österreich begonnenen Reifeprüfungen eignen sich vorzüglich dafür.

      Dafür muss man wissen, dass die mit der Reifeprüfungen verbundenen Tätigkeiten eines Lehrers nicht Bestandteil der Lehrverpflichtung sind, d.h. ein Lehrer bekommt für die Maturaklassen nur bis zum Abschluss des Lehr- und Lernjahres (also bis zum Abschluss der 8. Klasse) bezahlt. Das ist im Regelfall Anfang Mai. Seine Tätigkeiten im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung der Reifeprüfung sowie für Korrekturen bekommt er extra bezahlt, und zwar wie folgt:

      Beispiel 1: Reifeprüfungsarbeit in Deutsch (durchschnittlich 15 A4-Seiten pro Arbeit, incl. Konzept, welches aber auch gesichtet werden muss) – Korrektur der Arbeit, Ausführliche schriftliche Begründung der Note, Statistiken und Gesamtbeurteilung aller Arbeiten: Fürstliche Entlohnung dafür: 19,8 Euro brutto, macht netto ca. 10 Euro für ungefähr 2 bis 2,5 Stunden Arbeit. Macht immerhin einen Stundenlohn von um die 4 Euro. Wahrlich fürstlich, oder?

      Beispiel 2: Prüfungsgebühr für eine normale Prüfung bei der mündlichen Reifeprüfung: 11 Euro brutto, also ca. 6 Euro netto. Inkludiert dabei ist die Vorbereitung der Prüfungsfragen, die Zeit, die man als Prüfer bei der Reifeprüfung zubringt, auch wenn man nicht prüft (im Regelfall von 7 Uhr bis 19 Uhr) und die Prüfung selbst. Stundenlohn auf Grund Geringfügigkeit nicht mehr zu berechnen! Wer möchte da nicht Lehrer sein?

      Die Lehrer an Österreichs Schulen haben in den letzten Jahren nicht nur empfindliche Gehaltseinbußen hinnehmen müssen, ihr Tätigkeitsfeld hat sich zudem wesentlich erweitert, ihre Belastung ist deutlich gestiegen.
      Die nun beginnenden Verhandlungen mit der Regierung über ein neues Dienstrecht für die Lehrer müssen unter diesem Gesichtspunkt stehen, dass die Arbeitnehmervertreter nicht einmal die Spur einer weiteren Verschlechterung dabei hinnehmen. Weder bei den neu eintretenden KollegInnen noch bei den älteren LehrerInnen darf dies geschehen. Im Gegenteil: Wir brauchen an den Schulen mehr Geld, mehr Ressourcen, eine leistungsgerechte Bezahlung. Nur über dieses Mehr kann es Verhandlungen geben, auf keinen Fall über ein Weniger. Und das ist schließlich auch im Sinne aller anderer ArbeitnehmerInnen, die sich auf Angriffe in ihren Arbeitsbereichen einstellen müssen. (Gerhard Kohlmaier, http://www.steuerini.at)

      1. Lieber Gerhard Kohlmaier, vielen Dank für die Ausführungen, auf dieser Grundlage müsste die Gewerkschaft in die Verhandlungen gehen. Mir bleibt noch die Frage, bis wann dem gewöhnlichen Volk die konkreten Verhandlungspunkte zur Kenntnis gebracht werden. Dass es auch bei Kollektivvertragsverhandlungen üblich ist, die Forderungen nicht publik zu machen gilt aber meines Wissens nach nicht bei allen Gewerkschaften gleich.

      2. Lieber Gerhard Kohlmaier!
        Ja, ich kenn mich auch schon nicht mehr aus … und hoffe, dass mir bald jemand (kompetent oder inkompetent ist egal, weil eh nicht mehr überprüfbar) die Bildungslandschaft neu erklärt. Ich glaub sogar unser Salcherl kennt sich nicht mehr aus. Und wann dürfen wir endlich wieder einfach nur spannend und motivierend unterrichten? Abseits von Tests, Standards, Studien, … aber bevor ich jetzt abgleite in ein ganz anderes Thema, wollte ich doch auf einen positiven Aspekt hinweisen und zeigen, wie einfach wahrscheinlich Teile des neuen Systems finanzierbar sind (auch wenn ichs selbst nicht versteh … 🙂 )!

        Ein schwerer Fehler, der in Verhandlungen natürlich nicht passieren darf (oder hab ich was versäumt ????): Prüfungsgebühren werden nur mit 6% besteuert … oder?
        Also bleiben von den 19,8 brutto rund 18,6 netto … na, da sind wir schon bei 9,3 Euro pro Stunde …
        Aber jetzt kommts … und so muss man die neue Reifeprüfung wohl sehen … : durch die neue Reifeprüfung brauchen ProfessorInnen nur mehr die ausgefüllten Testblätter korrigieren (falsch: Korrekturen gibt es nicht mehr ….), also einfach die Punkte für Richtig/Falsch zusammenzählen!
        Es gibt keine Korrekturen, keine Beschreibungen der Arbeiten, usw. …. also NIX! Nur mehr eine Excel-Tabelle.
        Wenn du gut bist, dann schaffst du in Zukunft eine Auswertung (vorausgesetzt du hast die Auswertungskompetenz!) in 10 Minuten.
        Das bedeutet wieder, dass plötzlich der Bruttoverdienst 111,6 € betragen würde ….
        Das ist wieder eine Chance, um auf die Loyalität der LehrerInnen zu pochen, weil das ja einen Managergehalt nach sich ziehen würde, nämlich bei 160 Monatsarbeitsstunden wären das 17856 € netto!
        Da sag dann noch einmal einer Lehrer verdienen schlecht ….
        Also werden wir uns doch auch mit einem Sechstel zufriedengeben … und mit den anderen 5 Sechsteln finanziert man die, die die Knochenarbeit verrichten …. richtig: das BIFIE!
        Und schon ist alles kostenneutral!

        Jetzt werden wieder einige sagen, dass man in Deutsch ja doch Aufsätze korrigieren wird müssen, usw. ….
        Woher wissen die das?
        Ich hab davon noch nichts gehört!

        Und der Vorschlag, der von allen liebevoll Bu genannten, geht natürlich in die gleiche Richtung: bessere Finanzierung des Bildungssystems, weil wir mit unseren LehrerInnen den riesigen Nachhilfemarkt anzapfen. Die in den Ferien angebotenen Nachhilfe-/Betreuungsstunden werden natürlich zu berappen sein … und schon sind wieder ein paar hundert Milliönchen im Topf!

        Liebe Kolleginnen und Kollegen!
        Wir werden Umdenken müssen!
        Also DENKEN vielleicht nicht mehr … die UM-Kompetenz, die uns viele neue Finanzierungsmöglichkeiten bietet, wird genügen!

        Und allen, die jetzt denken: „der spinnt!“ , möchte ich sagen:
        Nein!
        Ich bin nur auf der krampfhaften Suche nach einem roten durchgängigen Faden im Bildungssystem und finde ihn nicht.

        Wer kann mir helfen?

        Danke!

  4. Kimberger: „Das, was uns die Ministerinnen übergeben haben, ist dürftig.“
    Also entweder meint Kimberger auch den Umfang, dann widerspricht er Rainer diametral.

    Oder er meint den Inhalt, dann ist er im Vergleich zu E.Quin ein Schnellleser, denn Quin schreibt am 4. Mai um 13:35: „Dieses Papier werden wir nun genau analysieren und bewerten, um dann Gespräche auf Beamtenebene aufzunehmen.“

    Kimbergers oben zitierte Aussage erschien ebenfalls am 4. Mai auf KURIER online, er musste also zu diesem Zeitpunkt dieselben Informationen haben wie Quin – aber anscheinend einen fortgeschrittenen Wissensstand.

    Ich reite deshalb auf diesen Dingen herum, weil mich E. Quins lateinisches Zitat über das Trojanische Pferd an ein anderes Zitat erinnert hat, welches noch bekannter ist: Divide et impera.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s