Helmut Jantschitsch: Danke, Genossin Burgstaller!

Nach den gestrigen Ausführungen der Salzburger Landeshauptfrau ist für mich der heurige 1. Mai ein besonderer Feiertag.

Foto von der Facebook-Seite von Mag. Gabi Burgstaller vom 19. April 2012

Die Sozialdemokratin wurde im gestrigen Kurier zweifellos stark verkürzt zitiert. Niemals würde sie natürlich eine Verkürzung der Ferien für LehrerInnen auf fünf Wochen fordern, ohne das in ein entsprechendes Modell nach dem Motto „Gleiches Recht für alle!“ einzubetten.

Als langgedienter Lehrer freue ich mich also ab sofort auf eine Reihe von Segnungen, die nach dem Willen von Genossin Burgstaller bald Realität werden:

  • Schluss mit Urlaub in der Hauptsaison: Meine Frau kann es kaum erwarten, endlich zwei Wochen Toskana im Frühling zu buchen; billiger, angenehmeres Wetter, Herz, was willst du mehr! Danke, Genossin Burgstaller!
  • Krankenstand unterbricht Urlaub: Meine mich offenbar liebende Weihnachtsbronchitis hat endlich auch etwas Gutes an sich. Verlängert sie mir doch in Hinkunft meinen Weihnachtsurlaub. Mitte Jänner ist der Schnee ohnehin meist besser zum Schifahren. Danke, Genossin Burgstaller!
  • Endlich 40-Stunden-Woche: Schluss mit Schularbeiten verbessern und Vorbereitungsarbeiten in der Nacht und am Wochenende, kein Stress mit knappen Fristen für Schularbeiten, Maturaklausuren etc.; Zeitausgleich für überlange Arbeitszeiten auf Schikursen und Projektwochen. Danke, Genossin Burgstaller!
  • Mein Büroraum in der Schule: Ich sehe vor meinem geistigen Auge schon den Bautrupp ans Werk gehen, der mir und meinen KollegInnen Arbeitsräume in der Schule schafft; PC und Schreibtisch für jeden auf Staatskosten verstehen sich ja ohnehin von selbst. Danke, Genossin Burgstaller!

Manche Kleingeister mögen einwenden, dass das alles weder finanzierbar noch organisierbar sei. Ich bin da ganz unbesorgt. Die Frau Landeshauptfrau ist ja – quasi im Nebenerwerb – auch Präsidentin des Landesschulrats für Salzburg, und hat sich deshalb ihren Vorstoß im Vorfeld sicher gut überlegt.

Ich sehe mich also schon am 1. Mai 2013 mit einem Strauß Nelken am Rathausplatz, um mich bei Genossin Burgstaller persönlich zu bedanken. Vorausgesetzt, ich kann meine Frau noch überreden, den Urlaub in der Toskana erst im Juni anzutreten. Im Mai soll es dort nämlich besonders schön sein.


15 Gedanken zu “Helmut Jantschitsch: Danke, Genossin Burgstaller!

  1. Blendend, lieber Helmut!
    „Meiner“ Genossin bin ich auch dankbar: Wieder ein Steinchen im Mosaik, das mir den Abschied in die Pension erleichtert. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ („Sie“ wär‘ hier auch nicht schlecht!), und das ist bei PolitikerInnen an maßgeblicher Position bedenklich.

  2. Danke für die ironisch klaren Worte – habe die Aussage von Frau Burgstaller im Radio gehört und bin fast ausgeflippt! Wie kann man nur so dumm sein – oder ist das Naivität – oder blutrote Berechnung?
    Ich bin zwar selbst kein Lehrer, weiß aber gut von Freunden, was Lehrer und Lehrerinnen an zusätzlicher, unentlohnter Arbeitszeit leisten müssen. Wie schon von Ihnen angeführt kann ich jede Überstunde per Zeitausgleich ausgleichen und habe 6 Wochen Urlaub als Angestellter (viele Dienstjahr) – und sitzt in einem vom Dienstgeber bezahlten Büro. Fazit: Frau Burgstaller hat als Präsidentin des LSR vermutlich wie üblich in solchen Ämtern keine Ahnung von den wirklichen Themen in der Schule – aber Politiker müssen sich ja immer und überall äußern, Hauptsache die Medien berichten darüber. Sie und ihre Genossen und Genossinnen dürfen sich dann nicht wundern, wenn immer weniger junge Menschen den schönen aber anstrengenden Beruf eines Lehrers/ einer Lehrerin wählen!

  3. Bei aller Liebe zum züngelnden Wortwitz: Ich finde, manches entzieht sich der Verlächerlichung und sollte so ernsthaft pariert werden, wie es gemeint ist – und nur ernsthaft! Wie viele andere auch fühle ich mich von Leuten wie Burgstaller ernsthaft angegriffen. Mir ist nicht mehr nach Schmunzeln!
    Claudia Girardi

  4. Endlich ist aus dem Munde einer Expertin ausgesprochen, was schon lange von
    Reaktionären behauptet wurde: Zweck der Schule sei in erster Linie nur mehr
    die Aufbewahrung von Kindern, damit die Eltern kein Betreuungsproblem
    hätten. Ihrem (Erwerbs-?) Leben also wieder von Kindern ungestört nachgehen
    können. Keine Rede mehr von Kompetenzen oder gar deren Erwerb, wie BM
    Schmied noch vor kurzem weiß zu machen versuchte. Keine Rede mehr von
    Kindern und deren Bedürfnissen (Liebe, Anerkennung), von Reformpädagogik.
    Die Bedürfnisse, die 2012 zählen, sind die der Wirtschaft. Danke für die
    klaren Worte, Genossin Burgstaller!

  5. danke genosse jantschitsch. leider ist lehrerbashing immer en vogue.
    muss die genossin bu. sich eigentlich wieder bei oder gegen irgendjemandem/n profilieren oder ist es nur der täglichgemeine politische populismus?

  6. … der April war sehr kühl, da kann es einer politischen Amtsträgerin schon mal das Denken eingefrieren. Plötzlich diese hochsommerliche Gletscherhirnschmelze durch unerwartet hohe Temperaturen. Da zeigt sich dann oft der wahre Geist einer nach Oben gekommenen. Meist kinderlos, fern jeglicher Zukunftsverantwortung, nur KKK im Kopf. Kariere, Kariere, Kariere. Diese Art von Verantwortungsträgern muss kaum Folgen bedenken, weder über Gesagtes, noch Getanes. Sie wissen, dass sie die Unterstützung des geifernden Mobs haben. Was, Frau Bu, wenn der Lehrkörper einer gesamten Schule, geschlossen auf 5 Wochen frei gewähltem Urlaub geht. Denken, dann reden, würde selten schaden,

  7. DAS nenne ich „wahre Sozialdemokratie“, liebe Genossin Burgstaller! Man tritt am Tag der Arbeit auf und verlangt eine deutliche dienstrechtliche Schlechterstellung für 120.000 ArbeitnehmerInnen.
    Ihrem Ex-Kollegen und Genossen, dem ehemaligen Landeshauptmann von Wien, Helmut Zilk selig, würde für solche Aussagen wahrscheinlich wieder einmal „das Kotzen kommen“ (copyright H. Zilk) – ich kann dazu nur sagen: „Zuerst denken und dann reden“, noch dazu als Präsidentin des Salzburger Landesschulrats, die eigentlich (zumindest ansatzweise) eine Ahnung von der Leistung ihrer LehrerInnen haben müsste!

    Und an dich, lieber Helmut Jantschitsch:
    Danke für diesen eloquenten und blendenden Kommentar, ich gebe dir in jedem Satz recht.

    1. ein ausgezeichneter kommentar, diese dame sollte als präsidentin des landesschulrates einmal einen wandertag oder skikurs mitmachen oder eine woche lang supplieren!!
      mag. erika perdula

  8. Zitat aus „KREIDEKREIS 2/2012“ Seite 3:

    Architektur für die Schule von morgen???

    Da mein Lebensgefährte Architekt ist, habe ich in letzter Zeit immer wieder Einblick in Wettbewerbsausschreibungen bekommen.
    Wisst ihr eigentlich, dass bei all den Schulneu- bzw. Umbauten, die derzeit in Planung gehen, die Ausschreibungen keine eigenen LehrerInnenarbeitsplätze vorsehen, sondern Konferenzzimmer für alle wie anno schnee???
    LG von einer (fast) sprachlosen Susi Schönbrunner

  9. „Reden ist Silber, Schweigen wäre Gold gewesen….!“

    Lieber Herr Jantschitsch!
    Ich bin zwar kein Lehrer, ihr Brief spricht mir trotzdem voll aus der Seele. Man sollte glauben, eine Präsidentin eines Landesschulrates versteht etwas von der Sache, aber ich habe mich ganz mächtig geirrt! Eine derartige schwachsinnige Forderung ist mir schon lange nicht mehr untergekommen, aber sie passt irgendwie ins Bild der momentanen Gesellschaft. Die Leistungen der Öffentlichen Dienste werden allzu gern madig gemacht und die dort beschäftigten Bediensteten werden dann auch noch mit Null-Lohnrunden und Stellenabbau bestraft. Oder mit fast lächerlichen und unfinanzierbaren – aber populistischen – Vorschlägen konfrontiert. Dass aber jetzt sogar eine Landeshauptfrau in dieses Fahrwasser gerät, das ist wirklich mehr als bedenklich……
    Liebe Grüße von den Gemeindebediensteten Österreichs

  10. Der Kommentar ist unterhaltsam, aber er trifft nicht die wahren Motive von Burgstallers Vorstoß. Diese sind nicht in der Verwirklichung ihres Vorschlags zu suchen, sondern a) in der Massen- und Medienwirksamkeit b) in der Hinaufsetzung der Latte für die bevorstehenden Verhandlungen.
    Je mehr man ihren Vorschlag kommentiert, je mehr die Kollegenschaft ihre (verständliche) Entrüstung darüber zur Schau stellt, umso mehr macht Burgstallers Wahnidee Sinn. Ab und zu ist es besser zu schweigen, und am wirksamsten ist es dann, wenn man nach den Verhandlungen nicht darauf hinweisen muss, man habe – in Anspielung auf eben diesen Vorschlag – Schlimmeres verhindert. Und dass dies nicht geschehen wird, das hoffe ich doch!

    1. Vielen Dank für den Kommentar!

      Bezeichnend für die Aussage von LH Burgstaller ist die heutige erste Dienstrechtsverhandlung. Ihre Argumente sind nicht Gegenstand. Man darf daher davon ausgehen, dass andere(politische) Motive für ihre Aussagen ausschlaggebend sind.

      Jedenfalls ist nach 50 Jahren eine Schulreform – inhaltlich, strukturell; staatspolitisch, gesellschaftspolitisch – notwendig. Eckpunkte sollten jedenfalls ein neuer Fächerkanon, neue Schulorganisationsformen, eine notwendige neue Lehrerblidung – in der Folge zeitgemäße Unterrichtsformen, – zeiten, Leistungsbeurteilungen und Schulressourcen in Verbindung mit einer internen und externen Schulentwicklung sein.

      Man darf gespannt sein, ob 2012 eine Bildungspolitik in Österreich dazu imstande sein wird.

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