PISA 2012 – die Ergebnisse

Die Testungen für PISA 2012 laufen an, doch ich kenne sie bereits, die wichtigsten Ergebnisse von PISA 2012: Das Bildungssystem ist

ineffektiv, ungerecht und unzeitgemäß. Die Empfehlungen: Das Schulsystem soll „einheitlich“ sein, alle Unterschiede sollen „innerhalb der Schulen berücksichtigt und nicht durch Auswahl der Kinder für verschiedene Schultypen“ verstärkt werden (länger gemeinsam lernen)“. (1)

Sie fragen sich jetzt wahrscheinlich, woher ich die Ergebnisse von Testungen habe, deren Auswertung offiziell erst Ende 2013 präsentiert wird. Die zitierte Analyse ist fast 40 Jahre alt und stammt aus dem „OECD-Länderexamen“, dem Vorläufer des heutigen PISA, für die BRD vom Mai 1973!

Angesichts dieser Tatsache drängt sich wohl nicht nur dem Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin die Frage auf: „Wieso kann bei einem Bildungssystem, dem die OECD attestiert, es sei ‚mangelhaft‘, Deutschland seit 40 Jahren Exportweltmeister sein, europaweit eine vergleichsweise geringe Arbeitslosigkeit haben und nunmehr zu den wenigen währungsstabilen Staaten gehören?“ (2) Die Frage ließe sich analog auch für Österreich stellen, stehen wir doch gerade im Bereich der für den sozialen Frieden so entscheidenden Jugendarbeitslosigkeit auf dem EU-weiten Podest und deutlich vor den europäischen „PISA-Stars“ – die PISA-Weltmeister sind ja längst die Ostasiaten.

Volker Ladenthin gibt eine klare Antwort auf die Frage, warum die OECD Deutschland seit vier Jahrzehnten permanent bildungspolitisch schlecht abschneiden lässt. Das gegliederte Schulsystem Deutschlands ist den PISA-Ideologen (3) ein Dorn im Auge. Die Tests – egal, ob man sie nun „PISA“ oder „Länderexamen“ nennt – verfolgen stets ein klares Ziel: die Konstruktion der gewünschten Wirklichkeit. Die Diagnose steht für die OECD-Ideologen offensichtlich schon fest, bevor die Testungen erfolgen. Ein Schelm, der unterstellen wollte, dass das Test-Konzept genau so gestaltet ist, dass es „brave“ Gesamtschul-Politiker in ihrem Tun bestärkt und „böse“ Befürworter eines differenzierten Schulwesens an den Pranger stellt.

Der Bundesrepublik Deutschland wurde von der OECD 1973 der baldige wirtschaftliche Abstieg prophezeit, würde es sein Schulsystem nicht rasch und radikal reformieren. Nur dann – so meinten die „Experten“ der OECD – könnten die Deutschen die massiven Veränderungen im ausgehenden 20. Jahrhundert erfolgreich bewältigen. Und von der finanziellen Belastung durch die Wiedervereinigung, an die 1973 nicht einmal die größten Optimisten glaubten, war damals noch nicht die Rede.

Die Realität hat die OECD und ihre Experten Lügen gestraft. Dass Deutschland 2012 der Fels in der Brandung einer gigantischen Wirtschaftskrise ist, verdankt dieses Land zu einem guten Teil seinem Bildungssystem. Und genau diese Stärke ist der von den USA gesteuerten OECD ein Dorn im Auge. Daher weiß ich schon heute, welche „Ergebnisse“ die OECD 2013 präsentieren wird.

(1) Volker Ladenthin, Konstruieren sich Leistungsstudien ihre eigene Wirklichkeit? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. April 2012, S. 6. Univ.-Prof. Dr. Volker Ladenthin lehrt Historische und Systematische Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn.

(2) a.a.O.

(3) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.


8 Gedanken zu “PISA 2012 – die Ergebnisse

  1. Diese Förderung des Gesamtschulsystems durch Überbetonung der „Grundrechnungsarten“, erkenne ich auch. Es kommt allerdings zum schlechten Abschneiden noch ein anderer Aspekt dazu, der gerne unter den Tisch gekehrt wird. Ich bin selbst Lehrer. Meine Fächer werden zwar bei Pisa links liegen gelassen, aber trotzdem erzählte mir ein Schüler, dass er dort gewesen wäre. Ich fragte ihn, wie es ihm gegangen sei. Er sagt: „Wieso, wie solls mir denn gegangen sein?“. Na ob er was können hätte. Er: „Na ich hab nicht viel hingeschrieben. Das wird ja ohnehin nicht benotet, und wenn ichs schlecht mache, kriegen eh nur die Lehrer eins am Deckel.“
    Ein koreanisches aber selbst ein finnisches Kind würde nie so denken. Vielleicht ist das der ganze Grund, warum diese Länder vorne liegen. Unsere Gesellschaft vermittelt den Kindern die falsche Einstellung zum Bildungssystem. Die Lehrer werden schon von den Eltern für blöd erklärt. Wie soll dann das Kind etwas von ihnen annehmen können? Wenn das Kind behauptet, es brauche den Stoff in seinem Leben nicht mehr, dann wird ihm recht gegeben. Haben Sie aber umgekehrt einmal überlegt, für wie viele Berufszweige die Schule eine Vorbildung leisten soll? Lehrstoff kann immer nur ein Beispiel sein, an dem man die Kompetenzen zum Umgang mit Informationen und zu deren praktischer Umsetzung erlernt. Etwas Vertrauen, dass hier sinnvoll gehandelt wird, würde nicht schaden. Die Schule von heute ist eine ganz andere, als sie heutige Erwachsene noch erlebt haben. Ich kann mich als Lehrer nicht mehr auf einem Schulbuch ausruhen. Mein BE-Unterricht sieht heute nicht so aus, dass ich in die Klasse komme, und sage „Nehmt eure Buntstifte und zeichnet einen Baum“. Ich habe Photoshop, Flash, Fotografie, Html-Design, Desktop-Publishing, Architektur, Bühnenbild und vieles mehr unterrichtet. Wahlpflichtfächer dieser Art sind beliebt. Ich muss mich stets weiterbilden.

    Aber der Grundmangel des Systems, nämlich das Klassenstundenprinzip, der wird komischerweise nie in Frage gestellt. Ich wäre dafür, dass man dieses Prinzip für zwei Tage der Woche aufhebt, und diese mit Projektunterricht gestaltet, bei denen Schüler lernen über einige Stunden an einer Sache dran zu bleiben und bei denen jüngere Schüler von älteren lernen können, weil sie zusammen arbeiten. Praktische Fächer könnten zur Gänze in diese Tage verlegt werden. Dann haben die Schüler zum Beispiel drei Wochen intensive lange Tage an einem Bühnenbild gearbeitet, und dann wieder zwei Monate keinen BE-Unterricht. Kontakte mit der Industrie könnten aufgenommen werden, denn man hätte dann die Stunden am Stück zur Verfügung, um etwas zu unternehmen. Mein Engagement derartiges zu organisieren, wurde jedoch sofort eingestellt, da dies schon vom Besoldungsschema her unmöglich sei. Ich habe begriffen: Innovative Lehrkräfte sind nicht wirklich gefragt.
    Manfred Gotthalmseder

    1. Die Probleme, die Sie ansprechen sind zum Teil korrekt. Aber ich habe mein Abitur im Ausland gemacht und mein Studium war in Deutschland. während meines Studiums habe ich Nachhilfe im Physik und Mathe für die Gymnasiasten gegebenen.
      Ich habe meine Schüler dazu gebracht vor dem Loslegen nach zu denken und habe ihnen viele alternative Lösung für eine Aufgabe beigebracht.
      Leider würden sie von 99% der Lehrer dafür bestraft, dass sie etwas Neues gefunden hatten und nicht 0815 Lösung von dem Lehrer.
      Ich bin einmal in die Schule gefahren und habe mit Mathe-Lehrer diskutiert, dass er die Schüler, die neue Lösungen anbieten, fördern soll, stattdessen hat man mich als einen ausländischen Spinner angesehen und behandelt.

      Was sind die Lehrer, sie sind selbst Eltern und viele von ihnen dulden keine widerrede. Ich bin der Meinung, dass die Schule der Schüler die Genialität und das Denken beibringen soll. Leider in Physik und Mathe wurde mir ein Besseres gelehrt. Weg ist nicht entscheidend sondern DER WEG ist entscheidend.
      Vielleicht hat sich seitdem etwas geändert, aber ich bezweifele das.

  2. Die Feststellungen hier spiegeln auch die Situation in Österreich wieder. Allerdings scheint hierzulande auch noch ein „Masterplan“ zur Volksverdummung zu existieren, denn die Politik spielt dieses Spiel aktiv mit.

    Lehrer sind immer die „Bösen“, sollen die in der Familie versäumte Erziehung nachliefern, und haben ja überhaupt „so viel Freizeit“!

    Ach ja, ich bin kein Lehrer, nur Beobachter der Situation.

    Panem et Circenses!

  3. Als ich mir erlaubte, in einem Kommentar zu „Wo waren Sie, als …?“ darauf hinzuweisen, dass die deutschen Beamten 6,3% Gehaltserhöhung für 2012 + 2013 ausverhandelt haben (gegenüber 1% in Österreich für 2013 + 2014), da wies E. Quin postwendend darauf hin, wie sehr sie in den letzten Jahren darben mussten.

    Drei Blogs später geht es den Deutschen Gott sei Dank wieder wirtschaftlich hervorragend. Hoffentlich haben sie die Durststrecke unbeschadet überstanden.

    Erich Wallner

  4. Na mir kommen die Tränen! Böse Verschwörung von den PISA – Ideologen seit den 70ern. Und die Verfechter der differenzierten Schule haben dem seit 40 Jahren nichts entgegenzusetzen. Wenn ja, erst recht ein Armutszeugnis!

    Anmerkung Quin: Dass der Grünpolitiker Fasan Anhänger der Gesamtschule ist, verwundert nicht. Verwunderlich ist vielmehr, dass sich hier linke Ideologie mit dem neuen kapitalistischen Imperialismus der USA trifft.
    Ich möchte nur Heinz-Elmar Tenorth aus der „Zeit“ vom 16. Februar 2012 zitieren, Professor für Wissenschaftstheorie und Methodologie der Erziehungswissenschaft an der Universität Frankfurt am Main (1979 – 1991); seit 1991 Professor für Historische Erziehungswissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin:

    Tenorth: Man muss sich klarmachen, dass der Drang auf die Gymnasien nicht von Politikern per Knopfdruck ausgelöst wurde, das ist ein eher naturwüchsiger Prozess. Die Eltern haben ihn überall betrieben – unabhängig davon, wie hoch in den verschiedenen Bundesländern die Hürden vor dem Übertritt nach der Grundschule waren. […] Das Gymnasium macht ein Karriereversprechen und hält es offensichtlich ein. […]
    ZEIT: Auch wenn heute viel mehr Kinder in den Genuss höherer Bildung kommen, ist das Gymnasium ein Hindernis für mehr Bildungsgerechtigkeit. Arbeiterkinder haben schlechtere Chancen als Akademikerkinder mit gleicher Leistung.
    Tenorth: Ich finde eher, dass es zur Gerechtigkeit beiträgt, indem es auch Schüler aus unteren Sozialschichten zu besseren Leistungen führt, als zum Beispiel die Gesamtschule, die sich die Gerechtigkeit aufs Panier geschrieben hat. Wir sollten heilfroh sein, mit dem Gymnasium eine funktionierende und bei den Eltern beliebte Schulform zu haben.

    1. Wie ein Kollege mir gegenüber einmal feststellte, ist für ihn jeder, der nicht das Doktorat abschloß, ein Studienabbrecher. Dieser hier dürfte Hans-Dampf-in-allen-Gassen studiert haben. Immerhin scheint er (selbsternannter?) Experte für:
      + Verkehr
      + Wasserwirtschaft
      + Bauordnung
      + Raumordnung
      + Regionalpolitik
      + Wohnbau
      sein.
      Und für’s Schulwesen. Andererseits, je dümmer das Volk, umso besser für ihn, oder?

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