Gerhard Riegler: In memoriam Marian Heitger

Univ.-Prof. Dr. Marian Heitger (Foto privat)

Marian Heitger ist nicht mehr unter uns. Univ.-Prof. Dr. Marian Heitger war sein Leben lang kein „Experte“, sondern ein hochgebildeter Erziehungswissenschaftler. Er war ein Mann, der die Reduktion von Bildung auf ihren ökonomischen Nutzen nicht akzeptierte und daher zum bildungspolitischen „Wirrwarr“ unserer Zeit (s.u.) nicht schweigen konnte und wollte.

Im März 2011 gab Marian Heitger der Zeitung „Die Presse“ (1) ein Interview, aus dem ich heute seiner gedenkend zitieren möchte:

„Ich bin Kritiker dessen, was sich bildungspolitisch tut. Wer bei diesem Wirrwarr an Vorschlägen keinen Schauder empfindet, der soll seine Hände von der Bildung lassen.“

„Wir haben uns ja daran gewöhnt, dass alles, was neu ist, automatisch als besser gilt: Neue Mittelschule, Lehrerbildung neu, neue Curricula, neue Lehrmittel. Doch „neu“ ist noch kein Attribut, das das Bessere auszeichnet.“

„Der Wettkampf darf im Bildungsbereich nicht der einzige Zweck sein. Es geht um Menschenbildung. Es soll kein Kampf aller gegen alle sein. Denn: Konkurrenz ist immer eine Form der Rücksichtslosigkeit, eine Darstellung von Überlegenheit. Die PISA-Studie steigert diesen Konkurrenzkampf.“

„Im Grunde genommen leben wir in einem pädagogischen Kontrollstaat, wie es ihn früher so nie gegeben hat. Wir evaluieren Schüler, Schulen und Lehrer. Die Evaluierungshysterie halte ich für äußerst bedenklich.“

„Wenn ich denken lerne, muss ich argumentieren lernen – und um zu argumentieren, brauche ich Wissen.“

„Aus dem Wissen muss sich ein Gewissen bilden. Dann werden Schüler lernen, mit ihrem Wissen verantwortlich umzugehen.“

Marian Heitger ist nicht mehr unter uns. Sein Verständnis von Bildung wird uns weiterhin Licht im weit verbreiteten Dunkel sein.

(1) Kritik an Schulreform: „Wir leben in einem pädagogischen Kontrollstaat“. In: Presse Online vom 6. März 2011.


2 Gedanken zu “Gerhard Riegler: In memoriam Marian Heitger

  1. In dankbarer Erinnerung an meinen Lehrer und Doktorvater, einer hochintelligenten und charismatischen Persönlichkeit!
    Kein Lehrer hat mich je so geprägt wie Marian Heitger. Betrachtet man das Chaos der gegenwärtigen Diskussion des Bildungswesens, das gezeichnet ist von unzähligen „Experten“, die keine bis wenig Ahnung von Bildung an sich und von Schule im Allgemeinen haben, so ist es umso bedauerlich, dass der letzte wirkliche „Experte“ (der so niemals bezeichnet werden wollte!) und Mahner von uns gegangen ist. In einer Zeit der Verwertbarkeit, in der von Bildung als das Gemeinsame von Wissensvermittlung und – erlangung und Vermittlung und Erwerb von Haltung nichts mehr zu hören ist, kann nur gehofft werden, dass die prinzipienwissenschaftliche Pädagogik bald wieder eine Auferstehung erfährt. Für unsere dummen Bildungspolitiker ist sie aber zu hoch gegriffen, da sie transzendentales Denken zulässt, zu wenig zu vermarkten und daher für ihre Zwecke „unbrauchbar“.
    Herr Professor, ich verneige mich in Ehrfurcht und Demut. Möge Ihnen ein schönes Plätzchen „da oben“ beschienen sein. Sie haben es sich redlich verdient!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s