Ein neuer Finanzminister?

Die Gerüchte verdichten sich. Der SPÖ-Bildungssprecher will Finanzminister werden.

Heute lese ich in den Vorarlberger Nachrichten: „Ungeachtet dessen wird laut SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer an einer Dienstrechtsnovelle für die Lehrer gearbeitet. Und als Vorsitzender des Sonderausschusses zum Bildungsvolksbegehren möchte der Vorarlberger nun Druck machen, dass eine solche Reform möglichst noch in dieser Legislaturperiode beschlossen wird. […] Was den Inhalt betrifft, so hat der Sozialdemokrat bereits konkrete Vorstellungen: Die Einstiegsgehälter von Junglehrern sollen um 30 Prozent steigen. […] Gleichzeitig soll allerdings auch die Unterrichtsverpflichtung ausgeweitet werden; und zwar um „drei bis vier Stunden pro Woche“. Eine solche Reform würde laut Mayer nicht zu zusätzlichen Kosten führen.“ (1)

SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer, © Parlamentsdirektion/Mike Ranz

Solche Äußerungen waren in letzter Zeit der Finanzministerin vorbehalten. Denn was heißt das im Klartext: Lehrer (2) haben eine Jahresarbeitszeit, die jedenfalls der jedes anderen vollbeschäftigten Arbeitnehmers in Österreich entspricht. Das wurde den Lehrergewerkschaften in den bisherigen Gesprächen auch von den Vertretern des BMUKK und des Bundeskanzleramts mehrmals bestätigt. Mayer schert sich nicht darum, sondern möchte die Arbeitszeit von Lehrern ganz locker um bis zu 20 % erhöhen. Bei abgeflachten Gehaltskurven und keinen zusätzlichen Kosten bedeutet das, künftige Lehrer haben dieselbe Lebensverdienstsumme wie derzeitige Lehrer, müssen dafür aber um 20 % mehr arbeiten! In diese Richtung möchte der SP-Bildungssprecher „Druck machen“.

Eine solche Forderung von einem angeblichen Sozialdemokraten wird Kreisky, Benya und Co. in ihren letzten Ruhestätten zum Rotieren bringen. Die „Besten“ werden wir damit wohl auch nicht für den Lehrberuf begeistern können, sofern sie über mathematische Grundkompetenz verfügen. Und mit Steigerung der Bildungsqualität hat diese Forderung gar nichts zu tun, sondern bestenfalls mit kurzsichtiger Fiskalpolitik. Elmar Mayer disqualifiziert sich damit als Bildungssprecher. Aber vielleicht hat Herr Mayer ja ohnehin ganz andere Karrierepläne.

(1) Johannes Huber, Mehr Geld und Arbeit für Junglehrer. In: Vorarlberger Nachrichten vom 24. Februar 2012

(2) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.


5 Gedanken zu “Ein neuer Finanzminister?

  1. Man wird das Gefühl nicht los, dass zurzeit diverse Personen mit der immmergleichen Forderung losgeschickt zu werden, um das Terrain zu sondieren, d.h. die öffentliche Reaktion auf diese unqualifizierten Vorschläge zu testen. Sobald einmal kein Protest zu hören ist, glaubt man wohl, wäre diese zusätzlichen Sparmaßnahmen (um nichts anderes handelt es sich ja) dann locker „durchzudrücken“.
    Zu Erinnerung: Mit einer zusätzlichen administrativen Arbeitsbelastung der LehrerInnen durch den Aufnahmestopp in der (Schul-)Verwaltung als Folge des letzten Sparpaketes rechnet ohnehin sogar die Regierung.
    Also bitte in den Reaktionen auf diese „Angriffe“ nicht nachlassen, denn ein Schweigen dazu würde ganz bestimmt als Zustimmung der Betroffenen interpretiert!

    1. Der Erste, der zur Sondierung des Terrains losgeschickt wurde, war NÖ-LH Erwin Pröll, der bereits 6 Tage nach Verkündigung des Sparpakets am 18. Februar in einem STANDARD-Interview eine Nulllohnrunde der NÖ-Beamten für 2015 [!] ankündigte.
      Neugebauers Signal, dass man ungestraft die Beamten über-proportional zu allen anderen Arbeitnehmern abzocken kann, war ja auch nicht zu überhören.
      Oder kennt jemand eine andere Berufsgruppe, wo einem Menschen um die 30 durch das Sparpaket nicht weniger als drei Jahresbezüge seines Lebenseinkommens genommen wurden?

  2. Solche unqualifizierten Äußerungen richten sich zwar selbst, dennoch ist eine entsprechende Reaktion unserer Vertreter unbedingt notwendig! So etwas würde übrigens auch die Stimmung in den Konferenzzimmern unglaublich verbessern, wenn manche, nur weil sie jünger sind, mehr arbeiten müssen. Divide et impera, hat das einmal geheißen und das gilt wohl auch heute noch.

  3. Was ist so schlecht an diesem Vorschlag?
    Für 30% mehr Gehalt sollen die Junglehrerinnen 15-20% mehr arbeiten.
    Schlecht wäre der Vorschlag nur, wenn dabei eine Abflachung der Gehaltskurve mitgeplant ist.

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