Gerhard Riegler: Divide et impera!

Das Prinzip „Divide et impera!“ scheint derzeit Hochsaison zu haben. Die Urheberschaft (1) dieser ursprünglich militärstrategischen Empfehlung ist umstritten, außer Zweifel steht jedoch, dass sich die Mächtigen aller Epochen oft und (leider) erfolgreich daran gehalten haben.

Unvereinbar ist „Divide et impera!“ – das steht wohl außer Diskussion – mit dem Solidaritätsprinzip und der Soziallehre, also den Fundamenten, auf denen die derzeitigen Regierungsparteien ideologisch aufbauen.

Mag sein, dass Gerüchte über enorme Sonderopfer der öffentlich Bediensteten tatsächlich nur „kolportiert“ werden, also ohne reale Ingredienzien in den redaktionellen Giftküchen des Boulevards zubereitet wurden. Ganz ausschließen mag ich aber auch nicht, dass gezielte Indiskretionen ausreizen sollen, ob sich die Bevölkerung beim kommenden Sparpaket auseinanderdividieren und ihre Aufmerksamkeit auf einen Sündenbock lenken lässt.

Machiavelli könnte derlei „Vordenker“ dabei inspiriert haben, empfiehlt er doch dem Fürsten, ein großer Lügner und Heuchler zu sein, denn „die Menschen sind so einfältig und gehorchen so sehr den Bedürfnissen des Augenblicks, dass derjenige, welcher betrügt, stets jemanden finden wird, der sich betrügen lässt.“ (2) Gratiszeitungen und mancher Stammtisch stimmen sich schon auf die altbekannte Beamten- und Lehrerhatz ein. Natürlich wird in Folge versucht werden, die Berufsgruppen innerhalb der GÖD gegeneinander auszuspielen und Neidkomplexe zu schüren, damit der Zusammenhalt rasch bröckle.

Wir LehrerInnen haben nach der berüchtigten Aschermittwoch-Attacke BM Schmieds 2009 bewiesen, dass mit geschlossenem und entschlossenem Widerstand und begründeten Argumenten schier Unabwendbares abgewehrt werden kann. Damals ist der Versuch, die LehrerInnen der verschiedenen Schularten auseinanderzudividieren und die LehrerInnen von ihrer Vertretung wegzulocken, kläglich gescheitert. Ich bin zuversichtlich, dass es uns auch diesmal gelingen wird, die „Divide et impera“-Strategie zu vereiteln. Vielleicht sollten „Vordenker“ darüber rechtzeitig nachdenken.

(1) Sowohl Philipp II. von Mazedonien (um 382 v.Chr. – 336 v.Chr.) als auch Niccolò Machiavelli (1469 – 1527) wird die Urheberschaft zugeschrieben.

(2) „… e sono tanto semplici gli uomini, e tanto obediscano alle necessità presenti, che colui che inganna, troverrà sempre chi si lacerà ingannare.“ Niccolò Machiavelli, Il Principe, Kapitel XVIII (Quomodo fides a principibus sit servanda).

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