S.O.S. – Sanitärraum ohne Störsender?

Man kann keinen Notruf mehr absenden und außerdem wollen wir keine martialischen Geheimdienstmethoden“, argumentiert Josef Galley, früherer „Österreich“-Journalist, jetzt einer der Pressesprecher von Unterrichtsministerin Claudia Schmied, gegen Handy-Störsender bei Maturaprüfungen. (1) Das BMUKK macht sich offenbar in erster Linie um jene MaturantInnen Sorgen, die während des Verrichtens der Notdurft keinen Notruf absetzen können. „S.O.S. –Sanitärraum ohne Störsender“ lautet die Devise. SchülerInnen, die bei Schularbeiten und Klausuren zu wenig wissen und können, sollen sich am stillen Örtchen ungestört sanieren.

Dem amtsführenden Präsidenten des Salzburger Landesschulrats kann man zumindest zugutehalten, dass ihm die Problematik des Schummelns bewusst ist. Mit der von ihm vorgeschlagenen Lösung outet er sich allerdings als echter Schulpraktiker: Er empfiehlt den Schulen „Schleusen wie in Flughäfen oder Gerichten“. (2)

Wie so oft bei genialen Ideen fragt man sich als Durchschnittsbürger, wieso man nicht selbst von einem solchen Geistesblitz erleuchtet worden ist. Statt horrende 200 Euro für einen Störsender auszugeben, greifen künftig DirektorInnen einfach ins prall gefüllte Schulbudget und erwerben Sicherheitsschleusen, die – BBG und Mengenrabatt sei Dank – sicher schon für 60.000 Euro pro Stück wohlfeil erwerbbar sind. (3)

Ganz clevere SchulleiterInnen könnten, inspiriert von der Genialität der Schulbehörde, den Kaufpreis für diese Geräte sparen, indem sie die MaturantInnen durch die Schleusen des nächstgelegenen Bezirksgerichts treiben, falls gerade kein Flughafen zur Hand sein sollte, um die Handyfreiheit der Prüflinge sicherzustellen.

Zwischen Wien und Eisenstadt drängt sich ohnehin die Möglichkeit geradezu auf, Schularbeiten und Klausuren am Schwechater Airport durchzuführen. Sicherheitsschleusen samt Personal wären ebenso im Überfluss vorhanden wie Platz im Skylink, und alles wäre gut.

Wir einfachen Lehrerinnen und Lehrer wären natürlich auf all das niemals selbst gekommen. Aber Gott sei Dank gibt es auch einige Vordenker im Bildungswesen!

(1) Schule: Detektor statt Störsender . In: Salzburger Nachrichten Online vom 21. Jänner 2012.

(2) a.a.O.

(3) Diese Preisangabe ist nicht erfunden. Ich habe mich extra bei einer Firma erkundigt. Man benötigt nämlich Spezialdetektoren, um Handys detektieren zu können.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Quins Kommentare

2 Antworten zu “S.O.S. – Sanitärraum ohne Störsender?

  1. Gerhard Meixner

    Ja, ja, die Vordenker! Für mich waren und sind das großteils Personen, die nicht nachdenken können.

  2. Eckhard Malota

    Endlich einmal ein in der Technik versierter Direktor! Einen Störsender hatten auch die anderen Salzburger Schulen, nur das WRG wurde verpetzt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s