Gerhard Riegler: Bitte nicht stören!

Smartphones sind, der Name deutet es an, kluge Geräte, die weit mehr können als nur telefonieren. Smarte SchülerInnen haben die Möglichkeiten dieser kleinen Wunderdinger in Prüfungssituationen längst erkannt.

Einem Salzburger AHS-Direktor war es ein Anliegen, bei den Klausuren der Reifeprüfung den „digitalen Schummelzetteln“ wirkungsvoll zu begegnen. Ein völlig legal erworbener Störsender machte während der Maturaprüfungen die digitalen Luken dicht.

So weit, so gut! Wäre da nicht die Anzeige eines Netzbetreibers, die den mutigen Schulleiter vor den Kadi brachte. Störsender seien für derartige Zwecke verboten, sagt das Telekommunikationsgesetz. Österreichs Handynetzbetreiber wollen ihre Geschäfte ungestört machen.

Neben dem Prüfungsraum schaltete der Störsender auch auf den angrenzenden Toiletten den Handy-Empfang aus. Nicht auszudenken, welch große Geschäfte den Netzbetreibern entgingen, wenn SchülerInnen während der Verrichtung ihrer Geschäfte keine SMS absetzen und auf Facebook oder Twitter ihren Status nicht auf „Bin am Klo!“ aktualisieren könnten.

Während also ein AHS-Direktor wohlmeinend in die Störfalle tappte, gibt es eine Unmenge echter Störfälle in unserem Schulsystem, die endlich behoben werden müssten: Was mich beispielsweise besonders stört, ist eine Unterrichtsministerin, die ungestört Propaganda verbreitet und Einwände der Personalvertretung als belästigende Störung ihrer ministeriellen Allmacht empfindet.

Was uns LehrerInnen seit Jahren stört, sei der Bildungspolitik ins Stammbuch geschrieben:

  • Drosselt das Tempo zwanghaften Schulreformierens und lasst uns LehrerInnen endlich wieder ungestört arbeiten!
  • Gebt uns LehrerInnen die längst überfälligen wirksamen Erziehungsmittel, um die Störung des Unterrichts durch „Störenfriede“ unterbinden zu können!

Denn: Wer Verhaltensge…, pardon, Verhaltensoriginelle ungestört stören lässt, stört den Lernerfolg all derer, die störungsfrei lernen wollen!

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.

14 Kommentare

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

14 Antworten zu “Gerhard Riegler: Bitte nicht stören!

  1. Diese Störsender können – wenn es nach mir geht – noch viel häufiger zum Einsatz kommen. Zum Beispiel in der Bibliothek, im Hörsaal, im Nahverkehr….
    Gibt es auch tragbare Störsender? So einen hätte öfter gerne bei mir. 🙂
    Interessanter Beitrag! Viele Grüße!

  2. Ich hätte neben dem Wunsch nach einem wirkungsvollen und erlaubten Gerät gegen digitales Schummeln vor allem auch den nach einem wirkungsvollen Mittel gegen ministerielle und andere Störungen …

    Danke an Eckehard Quin für sein Blog!

  3. Ulrike Quin

    Toller Beitrag! Und was hört man vom Unterrichtsministerium? – Das geht doch nicht, um Gottes Willen! Die armen Schüler und Schülerinnen!! Wenn die am Klo ihr irgendwas- phone nicht mehr benützen können – eine unzumutbare Einschränkung.
    Tja, drucken wir ihnen doch am Ende ihrer Schullaufbahn einfach ihr „Teilgenommen“- Zertifikat aus, dann sparen sich alle den Prüfungsstress und das Geld für Störsender können sich die Schulen auch sparen.

    • Hauptsache, das BMUKK investiert Dutzende Millionen Euro, um durch eine Zentralmatura für eine seriöse Matura zu sorgen, deren Ergebnisse endlich vergleichbar sind …
      Die Klausuren werden nicht nur vergleichbar, sondern bei vielen SchülerInnen gleich sein!
      Aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit sollten die IPhones vielleicht von den Schulen in entsprechender Anzahl erworben und den KandidatInnen zur Matura ausgeteilt werden.
      Mein Deutsch-Lehrer prophezeite uns schon vor Jahrzehnten, dass es einmal zur Trennung von Schule und Unterricht kommen werde …

  4. Hugo Hampel

    Es ist schon klar, dass die LehrerInnen heutzutage (zu?) wenig legale Handhabe im Schulbetrieb haben. Aber streue ich, weil mich Motorräder stören, als Anrainer einfach Split in die Kurve? Von einem leitenden Pädagogen sollte man schon so viel Hausverstand (ich rede nicht von Kenntnis des Fernmeldegestzes) erwarten dürfen, dass die Störung des öffentlichen Mobilfunknetzes nicht erlaubt ist, auch wenn’s „nur“ im Klo ist.
    Aus den vorigen Kommentaren spricht hoffentlich nur der Frust über die Unzulänglichkeiten im Schulbetrieb und nicht eine generelle „ich mach‘ mir meine Gesetze selber“-Einstellung.
    Den Seitenhieb von Riegler auf die Geschäfte-machenden Handynetzbetreiber finde ich übrigens in diesem Zusammenhang völlig unangebracht.

  5. Peter Jagl

    Lieber H.H. !! Jeder Vergleich hinkt — der mit dem Motorrad aber besonders ! Mobilnetze zu stören gefährdet ja nicht die persönliche Sicherheit von irgendjemandem.
    Im Gegenteil: Wenn bei der Matura geschwindelt wurde; und dies wird irgendwann später publik, dann gibt es sogar ein Verfahren ihm dies abzuerkennen. Das kann auch berufliche Folgen haben !! Ist ja schon passiert …. das kann die eigene Karriere gefährden.
    Mein hinkender Vergleich dazu: Soll man das Fahren mit einem gefälschten Führerschein erlauben ?
    Wir haben in den meisten Schulen ein generelles Handy-Verbot, nicht nur bei Prüfungen — nur halten sich viele Schüler nicht daran.
    Daher der Störsender.
    Zum Thema Handy: In manchen Gegenden ist ohnehin keinen Empfang habe — damit muss man ja auch rechnen.
    In meiner Wohngegend am Land beispielsweise fällt der Mobilsender mit schöner Regelmäßigkeit aus der Betreiber gibt als Grund „Überlastung“ an, tut aber sonst nichts.
    Alle Einwohner haben sich schon daran gewöhnt …….
    Außerdem brauche ich ein Handy mit 2 SIMkarten, da im Nachbartal nur ein anderer Netzbetreiber verfügbar ist.
    Wenn einmal im Jahr bei der MATURA im Bereich einer Schule kein Empfang ist …. ist das wirklich so schlimm ??
    Ich wäre dafür, Störsender generell für solche Zwecke einzuführen — wenn jetzt die Zentralmatura kommt sollte man das gleich mit-verordnen. Wenn ich telefonieren will: Festnetz nehmen oder den Bereich von Schulen meiden. Wenn’s jeder weiß, kann das doch kein Problem sein — ODER ??

    • Hugo Hampel

      Ich dachte mir schon, dass ich hier keine „thumbs up“ bekomme. 🙂
      Lieber Peter Jagl, Sie haben recht, Schwindeln ist verboten – und daher wollen Sie ein Unrecht (=Schwindeln) durch ein anderes Unrecht (=Störsender aufstellen) egalisieren? Siehe dazu meine voherige Anmerkung zur „ich mach’ mir meine Gesetze selber“-Einstellung.
      Aber nach Ihren Ausführungen sehe ich den Fall auch ganz anders: Der Direktor war ja nur um seine SchülerInnen besorgt, dass ihnen später kein Matura-Aberkennungs-Verfahren drohe. Direkt rührend.
      Achtung, vielleicht greift ja das BMUK Ihren indirekten Vorschlag auf und verlegt die Matura auch an einen zentralen Ort ohne Handy-Empfang!
      Ihre abschließende Frage, ob ein Störsender ein Problem sein kann, müssen Sie schon dem Gesetzgeber stellen, der sich das Telekommunikationsgesetz hat einfallen lassen.
      Und nur dass wir uns nicht falsch verstehen: wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein. Und dazu sehe ich mich beim Thema Schwindeln mit Fug und Recht in der Lage dazu. Sie und die anderen Kommentatoren auch?

      • Peter Jagl

        Lieber H.H.! zum Zitat „……wollen Sie ein Unrecht (=Schwindeln) durch ein anderes Unrecht (=Störsender aufstellen) egalisieren?“ möchte ich noch (es besuchte mich ein pensionierter Jurist) wie folgt Stellung nehmen. Im ABGB und auch andernorts gibt es sehr wohl die sogenannten „Rechtfertigungsgründe“, das sind Erlaubnistatbestände, die ein an sich verbotenes Handeln im Einzelfall ausnahmsweise gestatten.
        Anwendungen dieses Rechts gibt es z.B. beim Schadenersatz, Notwehr, Nothilfe und Notfälle.
        D.h., dass jedes Gesetz einen speziellen „Zweck“ verfolgt. Auf Fälle angewandt, die außerhalb dieser „Norm“ stehen verliert das Gesetz seine Sinnhaftigkeit.
        Überspitzt formuliert: Dem Kläger, der den Gebrauch des Störsenders angezeigt hat, könnte man unterstellen, dass er Schummeln ermöglichen will — d.h. dass er einen unlauteren Zweck verfolgt; was ja ebenfalls nach ABGB verboten ist.
        Ein Beispiel dazu ist z.B. das „absichtliche“ Falschparken an Stellen, wo es gar nicht mehr anders geht. Ich kenne einige, die in Wien Strafmandate wie „Parkgebühren“ bezahlen; das kommt billiger als jede andere Lösung — und wenn man Glück hat, zahlt man gar nichts.
        Ich würde analog dazu vorschlagen, auch den Störsender wieder einzusetzen; die Strafe nach Telekommunikations-Gesetz könnte ja der Elternverein übernehmen — im Notfall Matura bleibt ja fast nichts anderes übrig.
        Ich selbst bin kein Jurist …. habe unser Rechts-System selbst schon so erlebt: Nach einem Blechschaden erhielt ich in erster Instanz Recht, die zweite Instanz hob das Urteil zu meinem Ungunsten auf; in die dritte konnte ich nicht mehr gehen, da der Streitwert von 1.600,- € zu gering dafür war. Bitte: ich wollte ja überhaupt nicht streiten, mein Gegner hat das „angezettelt“ ….
        Soweit zu „Recht“ und „Gerechtigkeit“.

      • Peter Jagl

        Salzburger Nachrichten vom 21.01.2012
        Der Linzer Anwalt Johannes Hintermayr vertritt die Rechtsansicht, dass Direktoren Störsender gegen Handys einsetzen dürfen. Sie seien sogar verpflichtet, im Rahmen ihres Hausrechts ortsunübliche Immissionen abzustellen. Zudem seien sie Eigentümervertreter des Schulgebäudes und die Freiheit des Eigentums sei ein Grundrecht, das über eine Norm im Telekommunikationsgesetz zu stellen sei. „Nur wenn das Unterrichtsministerium eine Weisung an alle Schulen erteilt, dass Peilsender untersagt sind, haben sich Direktoren als deren Bedienstete daran zu halten“, sagte Hintermayr.

  6. bmartin

    „Schule ist die bestmögliche Organisation des Nichtwollens.“
    Schule muss leider immer gleichzeitig „Bildungsanstalt“ und „Beaufsichtigungsanstalt“ sein. Wer sich für Autos interessiert, wird Mechaniker; wer sich für Strom interessiert, wird Elektriker und wer sich für „nichts“ interessiert, besucht eine „modulare Oberstufe“ und wird dort bis zu seinem 18. Geburtstag „gratis“ beaufsichtigt.

  7. Walter Buschmann

    Wenn es nach mir geht, sollte in jeder Schule ein Störsender für alle Prüfungen installiert werden. Da man ja wohl die Reichweite dieser Dinger einstellen kann (Quelle: http://www.handyblocker.at) ist nur der Prüfungsraum ohne Netz. Somit hat der Lehrer den Überblick und kann sicher sein, dass die Schüler während der Prüfung nicht mit dem Internet kommunizieren. Behörden dürfen diese Dinger offiziell und legal nutzen. Trotzdem wird als Argument gegen diese Sender immer wieder der nicht machbare Notruf bei eingeschaltetem Gerät angeführt. Wenn eine Behörde dies beniutzen darf und wir normalen Bürger nicht…… wo bleibt denn der mögliche Notruf wenn Behörden es benutzen? Das sind alles Argumente der Behörden, die nicht fruchten, da diese selbst Nutzer von diesen Geräten sind.

  8. Hugo Hampel

    Lieber Peter Jagl!
    Ich nehme an Sie sind Lehrer. Geben Sie diese Geisteshaltung, die Sie hier verbreiten „Hilf dir selbst, wenn dir (deiner Meinung nach) kein Recht zu teil wird.“ und „Such dir nur einen passenden Rechtfertigungsgrund, dann brauchst du keine Regeln zu befolgen.“ auch an ihre SchülerInnen weiter? Na DANN brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn’s die Ihnen Anvertrauten auch nicht so genau nehmen. Viel Spaß mit dieser neuen Generation!
    Aber dank Ihres vorletzten Postings verstehe ich Sie nun: Ihnen wurde Unrecht zu Teil. Dann ist es natürlich klar, dass Sie dadurch berechtigt sind, sich vom anerkannten Rechtsstaat loszusagen und fürderhin nach ihren eigenen Gesetzen zu leben.
    Und zu Ihrem letzten Posting: Es findet sich zu JEDER Meinung ein Jurist, der diese auch vertritt. – Vor allem, wenn er damit in die Medien kommt. „Mobilfunknetz als ortsunübliche Immission“? – Da lachen ja die Hühner.

    • Peter Jagl

      Lieber H.H. !!
      Ich würde es mir nie erlauben, über die Geisteshaltung eines anderen zu urteilen. Ich bin kein Richter und möchte es auch nicht sein. Jeder hat seine Lebensphilosophie — ich möchte aber nicht missverstanden werden.
      Ja, ich bin Lehrer. Alles andere ist Unterstellung.
      Natürlich hat man sich für alles, was man tut, zu rechtfertigen. Daraus die böse Absicht abzuleiten, „keine Regeln zu befolgen“, kann ich nicht nachvollziehen. Als Lehrer habe ich den Auftrag, Schwindeln nicht zu ermöglichen. Daher kann ich den Salzburger AHS-Direktor sehr gut verstehen, moderne Technik mit moderner Technik zu begegnen — in Form eines völlig legal erworbenen Störsenders !!!!
      Was Recht und Unrecht ist — das ist sowieso eine sehr heikle Frage. Jeder Mensch besitzt von Natur aus Rechte, die der Staat nicht verleihen, sondern nur garantieren kann. Dazu sind Regeln notwendig. Dies habe ich nie in Zweifel gestellt — und mich auch nicht vom Rechtsstaat losgesagt !!!
      Ich bin aber der Meinung, dass irdische Gesetze zwar Recht sprechen können — ob aber damit Gerechtigkeit erreicht wird ist eine andere Frage. Außerdem finde ich, dass es nicht immer mit dem eigenen Gewissen vereinbar ist, auf seinem Recht zu bestehen.
      Da in unserem Rechtsstaat Meinungsfreiheit herrscht, dürfen auch Juristen Stellung nehmen — über Medien will ich mich nicht äußern. Ich unterstelle niemandem, Aussagen nur deshalb zu machen, um in die Medien zu kommen.
      Ich hoffe, meine „Geisteshaltung“ nun besser erklärt zu haben.
      Als Lehrer dazu noch ein Beispiel: Jeder Polizist kann ein Vergehen bestrafen, das Recht dazu hat er. Er kann aber auch „Gnade“ walten lassen und „nur“ abmahnen. Kann in vielen Fällen sogar wirkungsvoller sein.
      Schließlich meine ich noch, dass die 10 Gebote und das eigene Gewissen eigentlich auch schon ausreichen könnten.

      • Hugo Hampel

        Lieber Peter Jagl!

        Ich bin ja eh ganz Ihrer Meinung. Schwindeln ist verboten und sollte verhindert werden. Nur ist es halt auch verboten, Störsender zu verwenden (auch wenn der „Erwerb legal“ sein sollte). Das ist halt das Problem. Und ich kann den verzweifelten Direktor auch gut verstehen, der nicht einmal von seinem BMuk Rückendeckung bekommt. Und selbst wenn es mir eigentlich gefallen würde, dass er selbst die Initiative ergreift – gutheißen kann ich es nicht. Noch ein hinkender Vergleich: Schwindelzettel in der Unterhose sind auch verboten, würde jemand auf die Idee kommen „im Rahmen des Hausrechts“ eine Leibesvisitation zu machen?
        Man könnte Klausuren ja überhaupt in die Immissions-freien Luftschutzkeller verlegen, die in den Schulen ja sowieso vorhanden sein dürften. 🙂
        Recht und Gerechtigkeit sind und waren immer zwei Paar Schuhe. Und für einen Prüfling gibt es nur ein Gebot: Das Hemd ist mir näher als der Rock.

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