Tante Claudias Weihnachtsgans

„Mama, wann sollen wir bei der Tante Claudia sein?“

„Frag nicht so viel, beeil‘ dich lieber, wir müssen spätestens um sechs dort sein! Du weißt doch, wie sehr Tante Claudia auf Pünktlichkeit steht.“

„Mama, warum können wir nicht zu Hause essen? Das Gansl von der Tante Claudia ist immer so zäh!“

„Nerv’ mich bitte nicht! Tante Claudia will halt, dass wir zu Weihnachten alle dasselbe essen, sie meint, dass das gut für uns ist!“

„Aber der Papa hat auch gesagt, dass ihm das Ganslfett nicht gut tut, er kriegt immer Sodbrennen davon.“

„Jetzt gib endlich Ruhe! Mir schmeckt das blöde Gansl ja auch nicht. Aber Tante Claudia hat in einem Kochmagazin gelesen, dass Gansl einfach das Beste für uns ist. Und du weißt ja, wie sehr Tante Claudia auf Kochexperten hört.“

„Mama, was sind eigentlich Experten?“

„Meistens sind das Köche, die es in der Küche nicht lange ausgehalten haben wegen der Hitze und der blöden Arbeitszeiten. Außerdem sind sie von den Kochlehrlingen ständig gepflanzt worden. D’rum schreiben sie jetzt g’scheite Bücher übers Kochen und verdienen viel Geld damit.“

Auf der Fahrt zu Tante Claudia.

„Papa, warum bist du bei Gelb über die Kreuzung gefahren?“

„Weil ich mir das Gejammer der Tante Claudia nicht anhören will, wenn wir zu spät kommen.“

Endlich bei Tante Claudia.

„Mama, das Gansl schaut aber noch halb roh aus. Das mag ich nicht.“

„Du Claudia, uns kommt dein Gansl heute noch ein wenig roh vor, ist das Absicht?“

„Selbstverständlich, das hab ich neulich in einem Rezeptbuch gefunden. Gansl kocht man heute wie Steaks, also ein wenig ‚beefy’ (1).“

„Mama, warum kann denn Tante Claudia das Gansl nicht noch ein paar Stunden ins Rohr schieben?“

„Du weißt ja, wie unsere Tante Claudia ist. Gegessen wird exakt um sechs, und eine Verschiebung kommt nicht in Frage.“

Die Handlung und die handelnden Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit toten oder lebenden Personen, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Institutionen oder gar der Zentralmatura ist nicht beabsichtigt und wäre rein zufällig.

(1) gesprochen „bifie“

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.


9 Gedanken zu “Tante Claudias Weihnachtsgans

  1. Aber da gibts doch auch ein Märchen, wo die Köchin selbst im Ofen landet. Irgendwo im Blätterwald. Die Leidtragenden dieser Dame kamen dann frei und lebten ein erfolgreiches zufriedenes Leben.
    Schön, wenn Märchen ein gutes Ende haben.

  2. Wenn E. Quin zum Beamten-Gehaltsabschluss so gar nichts zum Bloggen einfällt, dann drängt sich zumindest ein Kommentar zu seinem Schweigen auf :
    Fritz Neugebauer sitzt mit einer Backe auf dem Sessel des 2. Nationalratspräsidenten und vertritt als ÖVP-Mandatar die Schuldenbremse.
    Mit der anderen Backe sitzt er auf dem Sessel des GÖD-Vorsitzenden und soll bei den Gehaltsverhandlungen möglichst viel Geld aus dem Budget für seine Klientel herausschlagen.
    Das ist so, als ob ein Autofahrer gleichzeitig das Gas und die Bremse betätigte.
    In was für einem anderen halbwegs zivilisierten Land wird eine derart mit Händen zu greifende Unvereinbarkeit der Ämter noch mit allgemeinem Schweigen übergangen?
    Erich Wallner

    Anmerkung Quin: Zum Gehaltsabschluss sind Rundschreiben und Informationen der Gewerkschaft verschickt worden, die auch Erich Wallner erhalten hat.
    Wie „schlecht“ es ist, dass Fritz Neugebauer – so wie andere Gewerkschafter anderer Parteien auch – politische Funktionen ausübt, zeigt der internationale Vergleich (http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/605627/Beamte-in-EU_Sparkurs-bei-Gehaeltern). Für 2011 habe ich noch keine internationale Zusammenstellung.
    Dass Österreichs Wirtschaftsdaten international zu den besten gehören, verdankt dieses Land u.a. der österreichischen Sozialpartnerschaft. Wer Gewerkschaftern die Ausübung politischer Funktionen verbieten möchte, hat dieses System nicht verstanden.

    1. 1. E. Quins Anmerkung illustriert meine Aussage sehr gut, dass der Begriff „Unvereinbarkeit“ hierzulande weitgehend auf Verständnislosigkeit trifft.

      2. Jetzt warte ich nur noch darauf, dass jemand die österreichischen Wirtschaftsdaten als Rechtfertigung für die grassierende Korruption in unserem Land heranzieht. Denn wo es wirtschaftlich so gut läuft, kann Korruption doch wohl keinen messbaren Schaden anrichten …?

      Erich Wallner

  3. Großartig diese Weihnachtsgeschichte – ob sie wohl zum Weihnachtsfrieden beiträgt? Jeder vernünftige Mensch würde 1. die Verwandtschaft nicht zum Einheitsbrei verdonnern und 2. das Gans’l doch erst mal fertig schmoren lassen …

  4. Ich habe doch vor einiger Zeit gelesen, dass die Gans mindestens vier Stunden gebraten werden soll, nachdem man sie fertig hergerichtet hat.
    Jetzt sind es noch höchstens zwei Stunden, da kann sie ja gar nicht mehr gar werden ….

    1. Bekömmlich wird die Gans, wenn man sie überdies vor dem Braten von den Teilen befreit, die nicht für das Rohr geeignet sind. Dies weiß zwar jeder Kochlehrling, ist aber in keinem beefy-Magazin zu lesen.

  5. „Die Handlung und die handelnden Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit toten oder lebenden Personen, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Institutionen“ – also, die Gansl kommt mir doch verdächtig bekannt vor. Aber ich sag‘ nix …

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