Gerhard Riegler: Insel der Seligen

Wenn das alte Sprichwort vom geteilten Leid noch immer Gültigkeit hat, dann soll uns allen ein Essay von Heinz-Peter Meidinger in der deutschen Tageszeitung „Die Welt“ Trost spenden. (1) Denn der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, einer mit der ÖPU eng befreundeten Organisation, schreibt wohl nicht nur mir so sehr aus der Seele, dass ich gerne Auszügen aus seinem aktuellen Kommentar zur Bildungsdebatte Platz biete:

  • Zur konsequenten „Imagepflege“: „Nahezu täglich erscheinen weitere Bildungsstudien sowie neue Bücher mit bildungspolitischen Vorschlägen, die sich zumeist in Negativmeldungen über das deutsche Schulwesen überbieten, einzig, um in den Medien Aufmerksamkeit zu finden.
  • Zum irrwitzigen „Expertenwissen“: „Dabei wird munter voneinander abgeschrieben, was dazu führt, dass dieselben Aussagen in neuem Gewande immer wiederkehren und sich schließlich als scheinbar unbestrittene Gewissheiten in der öffentlichen Bildungsdebatte festzusetzen beginnen. Dabei lohnt es sich, manche dieser „Bildungsmantras“ auf ihren Aussagekern hin genauer abzuklopfen.
  • Zum haltlosen „Nachhilfevorwurf“: „Die Nachfrage nach Nachhilfe korrespondiert eher mit dem Wohlstand der jeweiligen Gesellschaften oder auch den hohen Erwartungen von Eltern. Kein noch so gutes Bildungssystem, keine noch so wirksame individuelle Förderung wird verhindern können, dass Menschen über private Nachhilfe ihren Kindern zusätzliche Vorteile verschaffen wollen.

Insel der Seligen

  • Zum Fetisch „Akademikerquote“: „Die größte Herausforderung, vor der wir stehen, ist die Aufgabe, an unseren überfüllten Universitäten die Studienqualität zu sichern, und nicht, Absolventenquoten noch schneller als jetzt schon nach oben zu treiben.
  • Zur „Matura für alle“: „Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt, wo Tausende von Betrieben händeringend, aber oft auch vergeblich nach Bewerbern Ausschau halten, zeigt in aller Deutlichkeit, dass die Antwort auf den demografischen Rückgang nicht allein die Steigerung von Akademikerquoten sein kann.
  • Zur „Baustellenpolitik“: „Unbestritten gibt es einen großen Reformbedarf. Reformen müssen aber kontinuierlich, umfassend und qualitätsorientiert sein. Quantität und Qualität dürfen nicht verwechselt werden.

Meinem Freund Heinz-Peter Meidinger danke ich für seine klaren Worte. Wenn er die deutsche Schulpolitik wieder schätzen lernen will, lade ich ihn gerne auf ein paar Tage nach Österreich ein. Der Vergleich wird ihm zeigen, dass er schulpolitisch auf einer Insel der Seligen wirkt.

(1) Heinz-Peter Meidinger, Die Lust am Miesmachen. In: Die Welt Online vom 30. September 2011.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.


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