Fortbildungsresistente Deppen?

Lesen Sie auch so gerne die gebetsmühlenartig wiederkehrende Lehrerschelte? Kleinformatige Medien tun sich da immer besonders hervor. „Blaumachen: Lehrer schwänzen Fortbildung!“, titelte die „Krone“ am 30. August 2011. „Zeit für die Erweiterung des geistigen Horizonts gäbe es genug, doch gerade in den langen Sommerferien haben die Pädagogen offenbar keine Lust auf Fortbildung“, konnte man dann lesen. In der Online-Ausgabe wird kritisiert, „dass viele fortbildungsresistente Lehrer sich in Alibiaktionen etwa zum Wein- oder Käsesommelier ausbilden lassen“. Und obwohl man Trachtennähen, Wind- und Kitesurfen und die Zubereitung von Sushi und Maki lernen könne, besuchten nur etwa 16.500 LehrerInnen im Sommer einen Fortbildungskurs, was ca. 14 Prozent entspricht. Angeboten waren lt. „Krone“ 896 Seminare an pädagogischen Hochschulen.

StudentWollen wir einmal davon absehen, dass sich andere Arten der Fortbildung als PH-Kurse offenbar der Vorstellungskraft einer „Krone“-Journalistin entziehen. Jedem, der Grundrechnungsarten beherrscht, sollte es aber einleuchten, dass im Schnitt jeder Kurs von mehr als 18 TeilnehmerInnen besucht worden ist und damit die Auslastung ziemlich hoch war. Wollte man alle LehrerInnen in die angebotenen Seminare schicken, wäre jeder Kurs mit 130 Personen belegt. Das ist selbstverständlich unmöglich, das lassen Pädagogische Hochschulen nicht zu, und das wollen LehrerInnen nicht. Offenbar ist in den Augen der journalistischen Crème de la Crème Österreichs genau das der Skandal – und nicht der Mangel an hochwertigen Fortbildungsveranstaltungen. Den hat das BMUKK zu verantworten, das dafür nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung stellt.

Wer sich aus dem BMUKK zumindest eine Verteidigung gegen diese populistische Lehrerhatz erwartet hat, ist naiv. „Dass so wenige Lehrer in den neun Wochen langen Ferien keines der diversen Fortbildungsangebote annehmen, gefällt dem Unterrichtsministerium nicht. Zwar gibt es auch während des Jahres genügend Veranstaltungen, aber diese sind sehr oft zur Unterrichtszeit, was teuer kommt und weder den Direktoren noch dem Ministerium gefällt. Deshalb dürfte diese Frage auch in die aktuell laufenden Dienstrechtsverhandlungen einfließen“, war in der „Presse“ zu lesen, die sich auf Josef Galley berief, einen der Pressesprecher von BM Schmied, der bis vor kurzem als Journalist bei „Österreich“ arbeitete.

Aber vielleicht verstehe ich das alles nur nicht, und das Gratisblatt „Heute“ hat Recht, das am 2. Juli 2011 titelte: „Jeder Depp kann Lehrer werden!

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.


2 Gedanken zu “Fortbildungsresistente Deppen?

  1. Danke für die originellen Beiträge! Die Meldungen aus dem Ministerium und in diversen Zeitungen sind wirklich haarsträubend, ich frage mich warum es keine Aufklärung gibt. Sind hier lauter „EXPERTEN“ am Werk?

  2. wahrscheinlich sind wir alle zu blöd in Anbetracht des kleinformatigen Printhorizonts. Aber es gibt ja noch lachsfarbene. Die hören zumindest genauer zu.

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