Gerhard Riegler: Nachhilfe für H.A.

Die Arbeiterkammer rührt, wie wir alle wissen, seit Jahrzehnten die Propagandatrommel für die Gesamtschule. Neulich beauftragte die AK das Meinungsforschungsinstitut IFES einmal mehr, ihr mittels „Nachhilfe-Studie“ beim Trommeln nachzuhelfen.

Dass die Fragestellung das Ergebnis jeder Umfrage massiv beeinflussen kann, ist ein offenes Geheimnis. Wie wären sonst die stark divergierenden Umfrageergebnisse vor Wahlen zu erklären als mit den Wünschen des Auftraggebers? Die AK will bei ihren Vorgaben offenbar auf Nummer sicher gehen und ließ z. B. die bekanntlich sehr hohen Kosten für Sprachferien im Ausland zu den Nachhilfeausgaben rechnen! Kreativität hat die AK damit bewiesen. Dass die Arbeiterkammer bei der Präsentation ihrer „Nachhilfe-Studie“ den so erzielten Ergebnissen den Ruf nach sofortiger Einführung der Gesamtschule folgen ließ, überrascht wohl niemanden mehr.

Ich habe mich dazu überwunden, mir die IFES-Daten im Detail anzusehen, und stieß auf Ergebnisse, auf deren Präsentation die AK offenbar „vergaß“:

  • 85 % der österreichischen Kinder erhalten keine bezahlte Nachhilfe.
  • Für die Nachhilfe jener 15 % der Kinder, die Nachhilfe brauchen, zahlen deren Eltern in mehr als der Hälfte der Fälle weniger als einen Euro pro Tag.
  • In Österreich geben Eltern von VolksschülerInnen mehr Geld für Nachhilfe aus als Eltern von AHS-UnterstufenschülerInnen.

Was die „ExpertInnen“ der AK wissen müssten, würden Sie den Blick über den ideologischen Tellerrand wagen:

  • Die Ausgaben für Nachhilfe liegen im OECD-Mittel viermal höher als in Österreich.
  • Nachhilfe-Europameister sind die Gesamtschulländer Frankreich, Großbritannien und Griechenland.

Mein Fazit: Die AK wollte Hannes A. unter die schwächelnden Arme greifen und der Gesamtschulkampagne nachhelfen.

Meine Forderung an die Bildungspolitik: Förderangebote an den Schulen durch ein Ressourcenplus auszubauen, um Nachhilfe zu minimieren.

Mein Wunsch an die Eltern: es sich von keiner Institution vorwerfen zu lassen, wenn sie sich für die Bildungsarbeit ihrer Kinder interessieren und an ihr teilhaben.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

3 Antworten zu “Gerhard Riegler: Nachhilfe für H.A.

  1. Ingeborg

    Statistiken sind eine Sache, konkrete Erfahrungen und Kenntnisse eine andere.
    Aus meiner persönlichen Erfahrung als AHS-Lehrerin und Mutter von vier Kindern an verschiedenen Schulen neige ich eher dazu, jenen Berichten Glauben zu schenken, die hohe Ausgaben für Nachhilfe bei AHS-SchülerInnen in Österreich bezeuge.
    Da ich ein Jahr an einem französischen Lycée gearbeitet habe und auch das englische Schulsystem gut kenne, würde ich die erwähnte „Europameisterschaft“ dieser Länder nicht auf AHS-ähnliche Institutionen beziehen. Es ist tatsächlich so wie in Griechenland, dass für Aufnahmsprüfungen auf die Universität sehr viel Geld in Privatunterricht investiert wird, weil die Absolventen der Höheren Schulen nicht (fast) automatisch hochschulberechtigt sind wie in Österreich.

  2. Pingback: Gerhard Riegler: Nachhilfe für H.A. | QUINtessenzen

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