Wissen Sie es, oder haben Sie (es) „Heute“ gelesen?

Ein kritischer Umgang mit und eine konstruktive Nutzung von Medien sind zu fördern“, heißt es im ersten Teil (Allgemeines Bildungsziel) des Lehrplans. Und über Medien gibt es wirklich viel zu lernen. Ein Beispiel: Am 23. Mai 2011 tagte die Bundeskonferenz der GÖD. An ihr nehmen die Spitzenvertreter (1) aller Berufsgruppen im öffentlichen Dienst teil. In der Sitzung wurde eine sechsseitige Resolution beschlossen. Darin werden konkrete Forderungen in verschiedenen Bereichen erhoben.

Die Grundaussage: Zentrale Anliegen der GÖD, deren Ziel eine weitere Modernisierung des öffentlichen Dienstes ist, dulden keinen Aufschub mehr. Die ausdrückliche Forderung nach unverzüglichen Verhandlungen wird in der Resolution insgesamt achtmal erhoben. Im Abschnitt betreffend Lehrer, in dem eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine gleichwertige Ausbildung auf Master-Niveau verlangt wird, heißt es abschließend: „Das neue Besoldungsrecht mit höheren Anfangsbezügen hat auch die gestiegenen Anforderungen der Lehrerinnen und Lehrer abzubilden. Eine Erhöhung der Arbeitszeit ist dabei kein Thema.

Am nächsten Tag erschien im Gratisblatt „Heute“ ein kurzer Artikel unter der fetten Überschrift „Gewerkschaft blockiert modernes Dienstrecht. Unfassbar! Lehrer-Vertreter wollen weniger Arbeit für mehr Geld“. Im Text, der aus zwei Sätzen besteht, heißt es dann: „Imageschaden für Lehrer: In einer Resolution fordert die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) zwar mehr Geld („gestiegene Anforderungen berücksichtigen“) – längere Arbeitszeiten lehnt sie aber ab.

Da drängen sich wohl nicht nur mir eine Reihe von Fragen auf: Kennt der Journalist die Resolution? Kann er sinnerfassend lesen? Schreibt er bewusst die Unwahrheit? Versiertere Kenner der Medienlandschaft könnten eventuell auch an Geld denken. In der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage musste BM Schmied am 16. November 2009 nämlich zugeben, innerhalb von nur zwei Wochen 458.543,23 Euro für Werbeeinschaltungen ausgegeben zu haben! Der beiliegenden Aufstellung ist dann zu entnehmen, dass in nur drei Tagen (!) 72.000 Euro an „Heute“ gezahlt wurden.

Selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung. Wer wollte einer Qualitätszeitung wie „Heute“ unterstellen, dass die Blattlinie durch schnöden Mammon beeinflusst werden könnte? Die im Titel gestellte Frage ist aber aktuell wie nie zuvor.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s