Eine Stufe über Ramsch

Griechenlands Bonität ist am Ende. „Die Ratingagentur Moody’s hegt große Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands. Sie senkte deshalb am Montag ihre Bonitätsnote für das hoch verschuldete Euro-Land gleich um drei Stufen von Ba1 auf B1. Griechische Staatsanleihen gelten damit als „hoch spekulativ“ – selbst das politisch instabile Ägypten wird besser bewertet.“ (1)

Nach Griechenland und Irland ist das dritte Land der Eurozone nicht mehr fähig, seine Schulden selbst zu bezahlen.“ Dieser Satz war vor wenigen Tagen in der „Presse“ über Portugal zu lesen. (2) Schon Mitte April stand dort geschrieben, dass die Ratingagentur Moody’s Irlands Kreditwürdigkeit auf „Baa3“ gesenkt habe, „eine Stufe über Ramsch“. (3)

Österreich hingegen bleibt Triple-A-Musterschüler. „Die Ratingagentur Moody’s hat am Donnerstag das Triple-A-Rating der Republik Österreich bestätigt. Im Dezember hatte auch die Agentur Standard & Poor’s (S&P) Österreich die beste Kreditwürdigkeit bescheinigt.“ (4)

Die geschätzten Leserinnen und Leser werden mir wohl zustimmen, dass bei solchen Meldungen kein vernünftiger Mensch in Österreich auf die Idee kommen kann, Griechenland, Irland oder Portugal imitieren zu wollen – oder doch?

Irland, Portugal und Griechenland haben eine Gesamtschule bis 15 und eine extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit. In Österreich gibt es schulische Vielfalt ab 10. Österreichs Jugendarbeitslosigkeit ist unter allen 27 EU-Staaten am niedrigsten. Selbstverständlich hängt der wirtschaftliche Erfolg Österreichs nicht nur vom Schulwesen ab. Dass aber Bildung eine der wichtigsten Ressourcen ist, hat sich inzwischen herumgesprochen.

Trotzdem setzen manche PolitikerInnen auf die Gesamtschule. Rational ist das nicht. Es ist dies vielmehr der Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft. „In Österreich werden die Erfolge der Gesamtschul-Versuche unverständlicherweise geheimgehalten. Dabei lassen sie sich durch internationale Statistiken längst beweisen“, kommentiert der Online-Journalist Andreas Unterberger sarkastisch dieses Faktum. (5)

Ich hoffe, dass sich die GesamtschulfanatikerInnen nicht durchsetzen, sonst ist Österreichs Bildungswesen nur noch „eine Stufe über Ramsch.“

(1) Moody’s senkt Rating. Die Zweifel an Griechenland wachsen. In: Handelsblatt Online vom 7. März 2011.

(2) Oliver Grimm, Portugals 78-Milliarden-Euro-Wette. In: Presse Online vom 5. Mai 2011.

(3) Moody’s senkt Irlands Kreditwürdigkeit um zwei Noten. In: Presse Online vom 15. April 2011.

(4) Österreich bleibt Triple-A-Musterschüler. In: Standard Online vom 20. Jänner 2011.

(5) Fußnote 194: Die Statistik zeigt die Erfolge der Gesamtschule. In: andreas-unterberger.at. Das nicht ganz unpolitische Tagebuch vom 9. Mai 2011.


3 Gedanken zu “Eine Stufe über Ramsch

  1. Was nicht alles als Waffe gegen Schulreformen herhalten muss!
    Es kommt ganz sicher nicht drauf an, wie das Schulsystem heißt – der Inhalt ist die Quintessenz! Obwohl die – horribile dictu – „Gesamtschule“ in Österreich in keinem Gesetz vorgesehen ist, gibt es sie längst vor allem in den Ballungsgebieten. Dort heißt sie „AHS-Unterstufe“, und diesen Zustand muss man verbessern. Das soll natürlich dann in ganz Österreich greifen. Keinesfalls will ich diese Zeilen als Stimme für die NMS gewertet wissen. Sorge bereitet mir aber das krampfhafte Beharren, die unerklärliche Angst vor fast jeder neuen Idee, z. B. am jüngsten Landestag der NÖ-AHS-Lehrergewerkschaft. Andreas Unterberger ist für diese im schlechtesten Sinn „konservierende“ Einstellung wohl ein Musterbeispiel.
    Wolfgang Halenka
    Anmerkung Quin: Österreichweit besuchten im Schuljahr 2009/2010 – neuere offizielle Zahlen stehen nicht zur Verfügung – 217.338 SchülerInnen eine Hauptschule, 16.848 eine „Neue Mittelschule“ und 114.693 eine AHS-Unterstufe. Am Modellversuch „Neue Mittelschule“ nehmen praktisch ausschließlich Hauptschulen teil. Selbst in Wien, wo die AHS-Unterstufe angeblich schon eine Gesamtschule wäre, besuchten 28.872 SchülerInnen die Hauptschule, 1.892 eine „Neue Mittelschule“ und 33.308 die AHS-Unterstufe.
    Zur wundersamen Wirkung der Gesamtschule verweise ich auch auf meinen Blogeintrag „Gesamtschule gegen Jugendkriminalität und Neurodermitis“.

  2. Die unbequeme Wahrheit im Klartext:
    Wenn die Schule besser werden soll, dann geht das nur, wenn die Schüler mehr lernen. Was ich derzeit beobachte: Zuspätkommen, Fehlen, Dauerprivatgespräche, Arbeitsverweigerung.
    Wie die Schule heißt, ist vollkommen egal.
    Wann wird endlich Klartext geredet?

  3. Italien hat die Gesamtschule – und einen Ministerpräsidenten, der Minderjährige missbraucht.
    Wollen wir das in Österreich auch – Gesamtschule und Kindesmissbrauch?
    Auch Japan hat ein Gesamtschulsystem – und unsichere Atomkraftwerke.
    Wollen wir das in Österreich auch – Gesamtschule und Atomkraftwerke?
    In den USA gibt es keine Gymnasien – dafür führen die dauernd irgendwo Krieg. Wollen wir Österreicher wirklich in den Krieg ziehen, nachdem wir das Gymnasium abgeschafft haben?
    Mag. Erich Wallner, St. Pölten

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