Koreanische Selektion

Allein in Seoul gibt es 29.977 Hagwons, südkoreanische Nachhilfeschulen, die man bald an jeder Straßenecke findet. Diese Zahl ist allerdings nur die offizielle. Neben den staatlich registrierten privaten Nachhilfeinstituten gibt es zahlreiche inoffizielle, die sich wohl noch ungehemmter der Drillpädagogik hingeben. Im ganzen Land sollen es mehr als 70.000 sein. (1)

Die F.A.Z. schreibt vom „Bildungsfieber“ südkoreanischer Eltern, denen kein Preis dafür zu hoch ist, ihren Kindern beste Chancen für die Aufnahme in eine renommierte Universität zu ermöglichen. Sie berichtet von einer Familie, die fast die Hälfte ihres gesamten Familieneinkommens für die zusätzliche private Ausbildung ihrer zwei Kinder aufwendet.

Die Folgen dieses Schulsystems sind durch die OECD-PISA-Brille höchst erfreulich: Permanent liegen Südkoreas SchülerInnen auf Spitzenplätzen. Die wahrhaft schrecklichen Folgen von permanentem Druck und Drill findet man natürlich in keiner PISA-Statistik, sehr wohl aber in der Realität: „Auch deswegen ist die Selbstmordrate unter Jugendlichen in Südkorea im internationalen Vergleich erschreckend hoch. Und junge Südkoreaner setzen wegen der hohen Kosten immer weniger Kinder in die Welt.“ (2) In einer vorgestern erschienenen Studie (3) findet sich dazu folgende Information: In Korea ist die Kinderanzahl pro Frau innerhalb von drei Jahrzehnten um unglaubliche 60 % gesunken. Die Fertilitätsrate Koreas hat damit unter allen 34 OECD-Staaten den niedrigsten Wert erreicht.

Südkorea gibt übrigens laut OECD 6,8 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Bildung aus, mehr als jedes andere OECD-Mitgliedsland. Allerdings liegen „die öffentlichen Ausgaben […] deutlich unter den 4,1 Prozent, die im OECD-Durchschnitt aufgewendet werden.“ (4)

Südkoreanische Eltern investieren mehr Geld als der Staat in die Bildung ihrer Kinder! Differenzierung nach Geld – so sieht die Realität bei neun Jahren „Gesamtschule“ aus. Nicht nur, weil mir die finanziellen Mittel eines Hannes Androsch oder anderer Gesamtschulapologeten fehlen, bevorzuge ich eine Differenzierung nach Leistung.

(1) Siehe Carsten Germis, Bildung in Südkorea. In: FAZ Online vom 23. April 2011.

(2) Ebenda.

(3) OECD (Hrsg.), Doing Better for Families (2011), S. 19.

(4) Germis, Bildung in Südkorea.


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