Pleiten, Pech und Pannen

Glück, so sagt eine alte Volksweisheit, hat auf Dauer nur der Tüchtige. Ob sich daraus auch folgern lässt, wer auf Dauer Pech hat, sei dahingestellt.

Wenn ich vom „Pech des BIFIE“ schreibe, überlasse ich es meiner Leserschaft, ob es sich dabei um einen „genetivus obiectivus“ oder einen „genetivus subiectivus“ handelt. Erstaunlich ist jedenfalls, mit welcher Beständigkeit BIFIE-Pannen passieren. Gewiefte JournalistInnen halten, so scheint es, immer schon ein paar Spalten frei, wenn es wieder über zentrale Testungen zu berichten gilt, die das BIFIE auf Geheiß des BMUKK oder des Wiener Stadtschulrates durchführt.

Als Anfang dieser Woche die Lesefertigkeit der Wiener SchülerInnen unter die Lupe genommen wurde, war tags darauf in „Österreich“, also dem Haus- und Hofblatt der Unterrichtsministerin, von entsetzten Volksschullehrerinnen zu lesen, die feststellen mussten, dass Fragen und Antwortmöglichkeiten teilweise inkompatibel waren. (1) Etlichen Englisch- oder FranzösischlehrerInnen mit BIFIE-Erfahrung wird das nur ein mattes Lächeln kosten. Die Pleiten-, Pech- und Pannenserie bei den zentralen Aufgabenstellungen hat bei ihnen ja schon oft für Aufregung und Turbulenzen gesorgt.

Glück hatten, so meinten BIFIE und Stadtschulrat unisono, beim Wiener Lesetest jene SchülerInnen, die es mangels Lust oder Talents innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht bis zur fehlerhaften Stelle schafften. Die BIFIE-Panne befand sich nämlich – so ließ man beschwichtigend verlauten – glücklicherweise ohnehin erst im hinteren Teil des Testhefts, zu dem nicht viele SchülerInnen vordrangen.

Pech haben, so denken wohl BMUKK und BIFIE in achselzuckender Einigkeit, alle jene LehrerInnen und SchülerInnen, die in den heurigen 5. Klassen auf eine „neue“, im Detail nach wie vor nebulose Reifeprüfung hinarbeiten, für die sie – insbesondere in Deutsch und Mathematik – keine entsprechenden Informationen, geschweige denn Lehrbücher haben.

Mit viel Glück werden bei der geplanten ersten Zentralmatura 2014 die meisten Schulen – hoffentlich pannenarme – Testhefte vorfinden, auf die die KandidatInnen einigermaßen vorbereitet sein werden. Bei so viel erhofftem Glück kann ich nur mehr bei Tante Jolesch Zuflucht suchen: „Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist.“

(1) Peinlicher Fehler bei Lesetest. In: Österreich, Printausgabe vom 6. April 2011, S. 17.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Quins Kommentare

Eine Antwort zu “Pleiten, Pech und Pannen

  1. Mag. Andreas Ringhofer

    So auch heute in unserer Schule bei der Englischmatura. Nach dem Öffnen des Kuverts kam die böse Überraschung. Die CD mit den Höraufgaben lies sich nicht abspielen. Es erfolgte ein Anruf beim BIFI und die Datei musste dann per E-mail als mp3 zugesandt werden. Das Notbook an der Aktivbox angeschlossen werden bis endlich alles funktionierte war viel Zeit vergangen. Ein Horror für alle jene Schüler, die sich sowieso schwer tun in dem Fach. Aber man darf das Kuvert ja auch nicht mehr vorher aufmachen, die bösen Lehrer könnten die Angaben ja verkaufen! Den Experten vom BIFI war es auch nicht möglich die Datei vielleicht in verschiedenen Formaten abzuspeichern – weil vielleicht nicht jedes Gerät jedes Format lesen kann. Alles in allem sehr gut passend zu Pleiten, Pech und Pannen.
    LG
    AR

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