Die verschwiegene PISA-Wahrheit

Gestern schrieb der grüne Bildungssprecher im „Falter“: „Österreichs Elite in den Gymnasien erreicht bei Pisa nicht einmal den Durchschnitt aller finnischen Jugendlichen.“ (1) Aufbauend auf diesem „Faktum“ argumentiert der Autor – der geschätzte Leser wird es bereits erahnen – gegen das österreichische Gymnasium und für die Einführung einer Gesamtschule. Mit dem „Leistungsargument“ könne man das differenzierte Schulsystem nicht verteidigen. Die Abneigung gegen die Gesamtschule entspringe ausschließlich der „Statuspanik der Mittelschicht“. Das Gymnasium sei das „Nadelöhr zur Erhaltung des gesellschaftlichen Status“.

Die Ergebnisse von PISA 2009, die durch den Boykottaufruf der Bundesschülervertretung negativ beeinflusst worden sind, lauten:

Durchschnitt Finnlands: Lesen 536 Punkte, Mathematik 541 Punkte, Naturwissenschaften 554 Punkte

Gymnasien Österreichs: Lesen 553 Punkte, Mathematik 570 Punkte, Naturwissenschaften: 570 Punkte (2)

Dazu sollte man vielleicht noch wissen, dass ein Unterschied von 38 Punkten durchschnittlich dem Rückstand von einem Lernjahr entspricht. (3)

Welchen Schluss kann man daraus ziehen? Entweder sind dem Bildungssprecher diese Daten nicht bekannt. Dann stellt sich wohl nicht nur mir die Frage nach der Redlichkeit, wenn er seine Argumentation auf Fakten aufbaut, die er selbst nicht kennt. Oder er argumentiert wider besseres Wissen.

Was für einen Bildungssprecher „rühmlicher“ ist, wage ich nicht zu beantworten. Jedenfalls stimmen mich diese Aussagen nachdenklich. Ein „Bildungspolitiker“, der unser Bildungssystem durchlaufen hat, „erklärt“ mit völlig falschen Daten, wie schlecht unser Bildungssystem sei. Ob man das als Bestätigung der vorgebrachten These gelten lassen kann?

(1) Harald Walser, Die Statuspanik der Mittelschicht. In: Falter, Nr. 9/11, S. 6f.

(2) Diese Fakten werden in Österreich verschwiegen. Warum, kann sich wohl jeder ausmalen. Die australische ACER-Website („Australian Council for Educational Research“) aber veröffentlicht alle Ergebnisse aller Staaten.

(3) Siehe auf der OECD-Website „Die Bedeutung der PISA-Punkte“.

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