Gerhard Riegler: Hilfssheriffs

„Hilfssheriffs für ÖBB-Schaffner“ titelte der STANDARD am 9. Februar. Security-Personal soll in Regionalzügen auf der Südbahn Randalierer einschüchtern. Das Zugpersonal müsse „bewacht“ werden. Es sei zuletzt zu teils schweren Übergriffen gekommen. Schaffner seien an Leib und Leben bedroht worden.

Besonders besorgniserregend ist dabei die Tatsache, dass die gewaltbereiten Übeltäter immer jünger werden. Dass es in manchen Pariser Vororten und in der Bronx weit schlimmer zugeht, kann wohl kein wirklicher Trost sein. In Sicherheitsfragen hat Österreich den Status der „Insel der Seligen“ mit politischer Bravour bereits verspielt.

Wir leben in einer Gesellschaft,

  • die zwar realisiert, dass immer mehr Eltern von ihren Erziehungsaufgaben heillos überfordert werden, daraus aber keine Konsequenz zieht,
  • die von LehrerInnen eine Übernahme der Erziehungsarbeit erwartet, ihnen aber keine Erziehungsrechte anvertraut,
  • die Schaffner von Hilfssheriffs vor Jugendlichen schützen lässt, LehrerInnen aber locker zutraut, dieselben Jugendlichen mit Lob und Tadel zu optimalem „Output“ zu dirigieren.

Seit Jahren fordern wir SozialarbeiterInnen und SchulpsychologInnen, die den LehrerInnen zur Seite stehen, sobald pädagogische Möglichkeiten erschöpft sind. Unserer Politik aber sind weder wir LehrerInnen noch die Entwicklung junger Menschen so viel wert. Sie schickt lieber „Hilfssheriffs“ aus, wenn die Konsequenzen politischer Kurzsichtigkeit unerträglich werden.

Wir leben in einer Gesellschaft, die einer morbiden Politik zusieht, wie sie exquisite Lebensbedingungen demoliert, die kein Geschenk des Himmels sind, sondern hart erarbeitet wurden.


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