Zwischen den Zeilen

Wer in den ersten Tagen des Jahres 2011 TV-Nachrichten sah oder die Politikseiten der österreichischen Zeitungen las, konnte kaum umhin zu glauben, Österreich wäre plötzlich aller ernsten Sorgen ledig. Tagelang war die Meldung, dass die GÖD plane, einige Zeilen der 246 Seiten umfassenden Gesetzesänderungen beim VfGH auf ihre Verfassungskonformität prüfen zu lassen, das beherrschende Thema.

War es die in Journalistenkreisen sogenannte „Saure-Gurken–Zeit“, die dazu führte, aus einer politischen Fußnote eine Hauptmeldung zu machen? Dies mag wohl ein Erklärungsansatz sein. Doch warum trieb es manche Redaktionen in die Tiefen ihres Archivs, um ein möglichst unvorteilhaftes Foto von Fritz Neugebauer hervorzukramen? Warum witterten Kommentatoren hinter dem Gang zum Höchstgericht einen Riesenskandal, warum meinten mediale TrittbrettfahrerInnen aller Couleurs, die öffentliche Erregung auf die Spitze treiben zu müssen?

Den Vogel schoss eine von BM Schmied besonders liebevoll mit Inseratenmillionen verwöhnte Zeitung ab, die sich zur Meldung verstieg, auch die AHS-Gewerkschaft stünde kritisch zum Vorhaben der GÖD, weil ich mich dazu – während meines viertägigen Weihnachtsurlaubs – nicht explizit positiv geäußert hatte. Ein kurzer Anruf hätte Klarheit geschaffen; aber um Klarheit geht es diesem Medium offensichtlich nicht.

Allerdings zeigt gerade das Verhalten dieser Zeitungsredaktion auf, dass – wie so oft im Leben – die Wahrheit zwischen den Zeilen zu finden ist.  Stehen doch Verhandlungen zum neuen LehrerInnendienstrecht bevor, zu denen BM Schmied – quasi als Hilfsverhandler – Kanzler und Vizekanzler beizuziehen beabsichtigt. Da passt die systematische mediale Desavouierung des GÖD-Vorsitzenden doch blendend ins Strategiekonzept.

Statt zwischen den Zeilen versteckte Nachrichten zu senden, möchte ich der Ministerin und ihren BeraterInnen folgende zwei Botschaften in schlichtem Klartext mitteilen:

1) Wir brauchen ein neues und modernes Dienst- und Besoldungsrecht, um unseren Beruf für junge Menschen wieder attraktiv zu machen.

2) Wir lassen uns auch nicht durch die Hintertür ein noch so geschickt getarntes Schulsparpaket unterjubeln.

3 Kommentare

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3 Antworten zu “Zwischen den Zeilen

  1. Erich Wallner

    Wenn ein notorischer Ämterkumulierer mit einem Hintern auf mehreren Sesseln sitzt, dann bedarf es keines Rekurses auf eine Verschwörungstheorie, um mediale Hinweise auf Unvereinbarkeiten bzw. inhaltliche Widersprüche zu erklären.
    Mich wundert nur, dass bisher niemand die scheinheilige Haltung der ÖVP aufs Korn genommen hat, wo jetzt plötzlich einige Repräsentanten draufkommen, dass Neugebauers Rechte nicht weiß, was die Linke tut – nachdem sie ihn in Kenntnis seiner Multifunktionen zum NR-Präsidenten gewählt haben.

  2. peternuss

    … und noch eines drauf: Zwischen den Zeilen der Printmedien und den Sätzen unserer PolitikerInnen lese und höre ich noch etwas heraus: Alle SchülerInnen sind gleich viel wert. Daraus folgt zwangsläufig, dass die „Prokopfquote“ an finanzieller Ausstattung in allen Schultypen angepasst werden muss! Einem allfälligen Aushungern ungewollter Schultypen ist demnach von vornherein ein (gesetzlich verankerter) Riegel vorzuschieben.

    • Manfred

      Darf man (ich) bitte wissen wer das kontrolliert? Wenn schon Gesetze von größerem Gewicht nicht eingehalten werden, wer wird sich dann von einer solchen „Kleinigkeit“ irritieren lassen? Eine finanziell ausgewogene Ausstattung gibt es eigentlich bis heute nicht. Man muss sich in den einzelnen Schulen nur umschauen, dann sieht man wo das Geld tatsächlich hinfließt.

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