Gerhard Riegler: Ein Schlag ins Gesicht

In unserem aktuellen Bildungssystem werden Pädagogen zunehmend entmachtet und können ihre eigentliche Aufgabe, nämlich die des Lehrens, nur unter immer schwierigeren Bedingungen erfüllen […] Kinder werden zunehmend aggressiver und zeigen immer weniger Interesse, Bildungsinhalte aufzunehmen.“ Diese alarmierende Bestandsaufnahme der Präsidentin der Interessenvertretung der NÖ Familien (1) entspricht leider allzu oft der pädagogischen Realität, die weit abseits der schönfärbenden Hochglanzpropaganda des BMUKK liegt.

An einer Salzburger HAK glaubte ein Vater, seine Meinung der Lehrerin seiner Tochter gewaltsam mitteilen zu müssen. Für mich ist diese mittlerweile gerichtsanhängige Ohrfeige symptomatisch für das bildungspolitische Klima in unserem Land.

Ein Schlag ins Gesicht

  • ist ein Landesschulratspräsident, der diesen Vorfall sofort als „tragischen Einzelfall“ wegwischt,
  • ist ein Ministerium, das noch immer keine einzige Gesetzesänderung initiiert hat, die LehrerInnen in ihrer Erziehungsfunktion gestärkt hätte,
  • ist eine Politik, die ihre eigene Unfähigkeit und Untätigkeit durch Polemik gegen LehrerInnen zuzudecken versucht,
  • sind Medien, die dieses „Spiel“ mitspielen, solange sie oft genug für Inserate des BMUKK kassieren dürfen,
  • ist das alle drei Jahre inszenierte PISA-Spektakel, das heuer angesichts des Boykottaufrufs der Bundesschülervertretung endgültig zur millionenteuren Farce verkommt.

Ein Schlag ins Gesicht der Zukunft Österreichs ist es, welchen „ExpertInnen“ derzeit das Bildungswesen anvertraut wird.

(1) LAbg Erika Adensamer, Presseaussendung vom 1. Dezember 2010


2 Gedanken zu “Gerhard Riegler: Ein Schlag ins Gesicht

  1. Danke! Wieder einmal hat Gerhard Riegler den Nagel auf den Kopf getroffen. Hoffentlich findet dieser Wochenkommentar nicht nur weite Verbreitung sondern auch den Zugang zu „unseren“ PolitikerInnen….

  2. Wir LehrerInnen, die mit Heranwachsenden arbeiten, wir wissen um die Malaise: Wo die Familie an einem Kind schon längst versagt hat, da darf vom Lehrer/ von der Lehrerin keine wie immer geartete Kritik, schon gar nicht an verbalen Ergüssen des Kindes, kommen. Brühwarm, so, als ob den Papa selbst diese Kriitik getroffen hätte, wird der Fall nach Hause gebracht. Das ist ein Mechanismus. (Wir hätten früher den Mund gehalten und nachgedacht: Hat sie vielleicht Recht? Bin ich respektlos/ frech gewesen?) Die serbische Familie ist bloßgestellt, sie muss sich wehren, ihre Ehre wieder herstellen. Ja, Kinder tragen ihre Kinderstube mit sich herum. Dasselbe gilt für den Catcher-Vater. Wo Worte fehlen, spricht die Faust. Wahrscheinlich schlägt er zu Hause auch zu. Das braucht nämlich Übung. Reden tun gewisse Leute schon lange nicht mehr. Handeln aber auch nicht, nämlich sachgemäß und an der richtigen Person.
    Wie wollen unsere Politiker diese Unkultur in manchen Bereichen des Volkes zähmen? Die Ethik des Respekts vor dem Nächsten und vor dem/der Lehrer/ Lehrerin, der/ die die Autorität in der Klasse verwaltet, muss aus der Moral des Volkes kommen. Politiker können diese Forderung zwar neuerlich öffentlich aussprechen und per entsprechendem Gesetz neuerlich verankern. Aber Körperverletzung – in dem vorliegenden Fall vor allem Autoritätsverletzung einer Lehrerin, die allen ihren SchülerInnen verpflichtet ist – ist ohnedies per Gesetz strafgeregelt. Sozusagen Amtsehrenbeleidigung (ich weiß, ist veraltet!) Es sollte nicht verharmlost, auch nicht verallgemeinert werden. Nur die zur Selbsterziehung Fähigen kommen weiter, nur die zum mitmenschlichen Respekt Willigen sollen gehört werden. Bravo, Kollege Riegler, bravo zu Ihrem Mut!

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