Gerhard Riegler: Bildung vom Feinsten

Gestatten Sie mir eine Aussage, die noch vor wenigen Jahren als Verstoß gegen die „political correctness“ bewertet worden wäre: „Lernen ist ein aktiver Prozess, niemand kann einem diese Last abnehmen.“ Heute klingen diese Worte vielleicht sogar schon wieder als selbstverständlich. Denn der PISA-Hype der letzten zehn Jahre hat auch etwas Positives bewirkt: Er hat Anstrengung und Leistung aus dem Eck herausgerufen, in das sie vom Zeitgeist gestellt worden waren.

Lernen erfordert Anstrengungsbereitschaft, kein Lehrer kann sie SchülerInnen abnehmen, keine noch so moderne Methodik kann sie ersetzen. Lernen setzt selbstverständlich das Wollen des Lernenden voraus und wird von seiner Motivation getragen. „Egal wie gebildet die Eltern sind, wenn man nicht den Willen hat, den Bildungsweg einzuschlagen, dann bringen einem selbst Eltern, die Nobelpreisträger sind, nichts.“ Der eigene Wille ist die Voraussetzung für Erfolg auf dem Bildungsweg. Ohne eigenen Willen kommen nur sehr junge Menschen voran – im Kinderwagen oder im Tragerl am Rücken der Eltern. Wohl niemand käme auf die Idee, es jungen Menschen „ersparen“ zu wollen, selbstständig gehen zu lernen.

Zitiert habe ich oben aus dem STANDARD (1) Ana-Marija Cvitic und Ara Karapetyan, zwei junge Menschen, die sich in unserem Schulwesen als MigrantInnen bilden lassen wollten und gebildet wurden. Erkenntnisse, die den herbstlich dichten Nebel einer angeblich „bildungs“-politischen Diskussion wie ein intellektueller Sonnenstrahl durchbrachen.

Vergönnt war mir ein ähnlich schönes Erlebnis am Mittwoch bei der parlamentarischen Enquete, die der Autonomie und Schulverwaltung gewidmet war: Nachdem etliche Parlamentarier in ihren (teils peinlichen) Auftritten am Thema vorbei das alte Lied von unserem ach so teuren Schulwesen, das unsere Jugend schlecht bilde und durch Gesamtschulen saniert werden müsse, zum „Besten“ gegeben hatten, trat Pia Bauer, Österreichs Bundesschulsprecherin des vorigen Schuljahres, ans Rednerpult, argumentierte präzise und stellte Abgeordnete, die unsere Schulen schlechtgeredet bzw. schlecht(ab)gelesen hatten, auch mit ihrer sprachlichen Kompetenz in den Schatten.

Stolz bin ich, dass diese jungen Menschen in unseren Schulen Bildung vom Feinsten erfahren haben.

(1) http://derstandard.at/1289608175416/Vererbung-von-Bildung-Nicht-von-sprachlichen-Defiziten-beirren-lassen


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s