Gerhard Riegler: Dazugelernt?

Jahrzehntelang wurden Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung aus ideologischem Festhalten an alten Dogmen konsequent diskreditiert. Gehuldigt wurde der „Spaßpädagogik“ wie einer pädagogischen Heilslehre. Wir LehrerInnen wurden systematisch beim Beurteilen, einer ebenso wichtigen wie komplexen und oft auch undankbaren Aufgabe, mehr und mehr verunsichert. Schwamm drüber, gilt nicht mehr. Man wird ja noch gescheiter werden dürfen: In der PRESSE fordert die amtsführende Präsidentin des Wiener Stadtschulrats neuerdings Bildungsstandards und Zentralmatura, um in Zukunft „geschenkte Noten“ zu verhindern. VolksschullehrerInnen, die – sicher vollkommen zu Recht – über massiven Elterndruck klagen, empfiehlt Brandsteidl in „hilfreicher“ Manier einer Bildungspolitikerin mehr „Professionalität“.

Dasselbe politische „Spiel“ wurde ebenso beharrlich mit der ungemein wichtigen Aufgabe getrieben, Kinder mit Migrationshintergrund zu integrieren, um ihnen möglichst große Bildungschancen zu bieten, statt sie als Dropouts und spätere Arbeitslose auf der Straße landen zu lassen: Nach der reinen Lehre der IdeologInnen sollte nämlich Jahrzehnte hindurch „Integration“ darin bestehen, Kindern, die kein Wort der Unterrichtssprache verstanden, einfach in eine Klasse hineinzusetzen. Wer anderes behauptete, wurde quasi noch gestern als gestrig betrachtet. Heute sind sich alle, die etwas vom Bildungswesen verstehen, einig, dass es ein Irrweg war, ein Irrwitz, junge Menschen durch ideologische Verblendung ihrer Bildungschancen zu berauben. Aber man wird ja noch gescheiter werden dürfen.

Hoffentlich gelingt es uns LehrerInnen mit unserer Erfahrung und der Fähigkeit zu sachlichem und praxisorientiertem Denken, den derzeit als Dogma propagierten Irrweg in die Einheitsschulen zu verbarrikadieren, bevor auch auf diesem Weg ungemein viel Unfug geschieht. Nicht noch einmal sollen erst in zwei Jahrzehnten ideologische „VordenkerInnen“ von heute angesichts nicht mehr zu leugnender Konsequenzen ernüchtert feststellen müssen: „Man wird ja noch gescheiter werden dürfen!“


Ein Gedanke zu “Gerhard Riegler: Dazugelernt?

  1. Man spricht immer von der Schule der 10- bis 14-Jährigen. Es wird nie erwähnt, dass die Schüler der AHS und BHS bei den Pisa Tests in Europa im Spitzenfeld lagen.

    Trotzdem sollten die Lehrer der AHS und BHS 2 Stunden länger unterrichten.

    Seit die 5-Tage Woche (gegen mein Votum) eingeführt wurde, gibt es auch eine 10. Schulstunde.
    Müssen deswegen alle Lehrer anwesend sein ?

    Die Schüler unserer Schule müssen nicht beaufsichtigt werden, oft sind sie bereits eingenberechtigt. Sie möchten nach dem Unterricht nach Hause fahren, nach Grünau oder Goisern…

    Es gibt einen freiwilligen Förderunterricht, der bezahlt wird.

    Ein Arbeitsplatz muss gewissen gesetzlichen Normen entsprechen. Man müsste erst Zubauten machen, damit alle Lehrer einen ordentlichen Arbeitsplatz mit Computer haben – den sie ohnehin schon zu Hause in ihrem Arbeitszimmer haben, das sie selbst beheizen und beleuchten und wo sie auch ihre Fachbibliothek haben.

    Was dabei übersehen wird: Lehrer arbeiten auch am Abend und Samstag /Sonntag, wenn sich die Schularbeiten gegen Semesterende massieren, und während der Matura.
    So musste ich bei der BWDA 184 Teilaufgaben à 60 Minuten in 7 Tagen korrigieren, der normale Unterricht mit Vorbereitungen und Verbesserungen lief natürlich daneben her.
    Die BWDA muss man zuerst einmal vorbereiten, jede Zahl muss aktuell sein und muss stimmen.

    Auch bei der mündlichen Matura wurden die Kandidten so gereiht, dass ich den normalen Unterricht halten konnte.

    Daneben sollte man sich noch weiter bilden: U.a. legte ich 3 zusätzliche Lehramtsprüfungen ab, die sicher meinem Unterricht in allen Fächern zugiute gekommensind.

    Seit ich in den Schuldienst eingestiegen bin, haben sich die Arbeitsbedingungen ständig verschlechtert: Überstunden wurden zuerst 14 mal, dann 12 mal, dann 10 mal und schließlich nur noch 9 mal bezahlt (warum ist eigentlich die 21. Mathematikstunde weniger wert, als die 20.?), Gehalts- und Pensionsreformen wurden gemacht, Biennalsprünge wurden ausgesetzt, Prüfungstaxen gestrichen…

    In 10 Jahren werden angeblich 50.000 Leher fehlen.

    Im Übrigen war ich gerne Lehrer.
    Ich bin bereits in Pension, verfolge aber die Berichte in der Presse mit Interesse.

    Mit besten Grüßen

    Wolf Demel

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