Gerhard Riegler: „Pädagogische Manövriermasse“

„Die Universitätsausbildung wird sich stärker nach der jeweiligen Schulart richten, für die sich ein Student entschieden hat. Das Uni-Studium wird in Grund- und Hauptstudium gegliedert. Und am Ende steht wieder das gute alte Staatsexamen. Die neuen Studienabschlüsse Masters und Bachelor haben sich für Lehrer offensichtlich als völlig ungeeignet erwiesen.“ (1) So konnte man vor wenigen Tagen über Sachsens Weg zu einer neuen Ausbildung seiner LehrerInnen lesen.

Sachsens Bildungswesen ist seit einigen Jahren der neue Shootingstar: Beim jährlichen deutschen Bildungsmonitor belegt Sachsen seit 2006 konstant den ersten Platz. Bei der innerdeutschen PISA-Auswertung hat Sachsen zuletzt in allen drei Kategorien den ersten Platz erreicht – unmittelbar vor Bayern, dem altbekannten PISA-Spitzenland Deutschlands. Sachsens Bildungspolitik optimiert seine LehrerInnenausbildung, um diesen Spitzenplatz zu halten, und lässt sich nicht einmal durch Bologna von ihrem Weg abbringen: Basis für eine erfolgreiche Ausbildung künftiger LehrerInnen ist ein universitäres Studium, das auf die jeweilige Schulart abzielt und sich nicht auf den Bachelor beschränkt.

Sachsen wählt den Weg, den wir seit Jahren fordern. Warum wehren sich aber BM Schmied und BM Karl gegen diese spezialisierte LehrerInnenausbildung auf höchstem Niveau? Die Sächsische Zeitung liefert wohl des „Rätsels“ Lösung: „Das bedeutet allerdings, dass auch in Zukunft die Lehrer nicht schulartenübergreifend und damit flexibler eingesetzt werden können.“ (2) Eine gemeinsame Bachelorausbildung für alle LehrerInnen wäre die Basis für eine beliebig verschieb- und einsetzbare „pädagogische Manövriermasse“. Ein Schnellsiedekurs in Englisch für überzählige Kindergartenpädagoginnen, und schon wäre der Mangel an AnglistInnen behoben.

Wohl niemand würde behaupten, unsere wackeren Schulreformerinnen ließen sich von einem „flexibel“ umgeschulten Urologen eine Wurzelbehandlung durchführen. Wer aber hält Bildung für weniger wichtig als eine Zahnbehandlung? „Sollte es doch kein Zufall sein, dass in der offiziellen Bezeichnung des aus dem ehemaligen ‚Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur‘ zusammengestutzten ‚BMUKK‘ das Wort ‚Bildung‘ verschwunden ist?“ (3)

P.S.: Die Differenzierung erfolgt in Sachsen ebenso wie in Bayern selbstverständlich ab 10.

(1) Karin Schlottmann, Sachsen kehrt zum Staatsexamen für Lehrer zurück. In: Sächsische Zeitung Online am 20. Oktober 2010.

(2) a.a.O.

(3) HR Dr. Günter Schmid, Wiener Zeitung vom 9. November 2007


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