Gerhard Riegler: Les Misérables

Frankreich brennt wieder einmal: SchülerInnen und StudentInnen gehen auf die Straße, um gegen die geplante Pensionsreform zu demonstrieren, es kommt schon wieder zu sattsam bekannten Gewaltszenen. Viele fragen sich wohl: Fordert bei uns nicht die politisch engagierte Jugend exakt die Maßnahmen im Bereich der Pensionen, gegen die die Jugend in Frankreich mit Verbitterung auf die Straße geht? Was setzt diese geballten Emotionen französischer Jugendlicher frei und Straßen in Brand?

Der wohl wichtigste Grund für das höchst unterschiedliche Verhalten französischer und österreichischer Jugendlicher: In Frankreich beträgt die Jugendarbeitslosigkeit bereits 23 Prozent und hat damit finnische Verhältnisse erreicht. Die jungen Französinnen und Franzosen solidarisieren sich mehrheitlich keineswegs mit den 55- und 60-Jährigen, sondern sehen ihre ohnehin miserablen Chancen, im Arbeitsleben Fuß zu fassen, dadurch weiter eingeschränkt, wenn ältere Menschen erst um zwei Jahre später aus dem Erwerbsleben ausscheiden dürfen.

In Österreich beschränkt sich die Jugendarbeitslosigkeit hingegen auf 8,5 %. Damit belegt Österreich UNTER ALLEN EU-STAATEN DEN BESTEN PLATZ.

Die Gesamtschullobby und ihre „ExpertInnen“ versuchen es zu vernebeln oder gar in Abrede zu stellen, aber die Fakten sprechen eine klare Sprache: Frankreich erzeugt mit seinen staatlichen Gesamtschulen eine „Generation hoffnungslos“, deren gemeinsame Sprache die der Gewalt ist. Staaten, die wie Frankreich auf der einen Straßenseite öffentlich finanzierte Gesamtschulen anbieten und ihnen auf der anderen Straßenseite sündteure Privatinstitute für Sprösslinge elitärer Kreise gegenüberstellen, treiben die Jugend in eine Sackgasse, treiben sie in die Enge, treiben sie in die Verzweiflung, aus der sie sich befreien will – und sei es mit brutaler Gewalt.

Wer auch für Österreich die Reduktion des staatlichen Schulangebotes auf Gesamtschulen propagiert, fordert französische Verhältnisse für Österreichs Jugend und Österreichs Straßen.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

2 Antworten zu “Gerhard Riegler: Les Misérables

  1. Mag. Hans Esterer

    Sehr geehrter Herr Kollege!

    Mit großem Interesse lese ich deine Expertisen und die Berichte von Kollegen Riegler und aller wirklichen Experten.

    Mein Bedenken ist, dass wir, die in der Schule tätigen das alles bestätigen können, die Öffentlichkeit aber davon wenig bis nichts erfährt. Hier sollte in der Kommunikation Richtung öffentlicher Medien mehr geschehen. (Keiner meiner vielen Bekannten hat eine Ahnung von der Realität, wie wir sie kennen….)

    mfg
    H.Esterer

  2. Jantscher

    … und, dass in Pezenas (Südfrankreich) heute um 11.11 Uhr ein Radl umgefallen ist, daran ist auch nur diese böse böse Gesamtschule schuld!

    [Anmerkung Quin: Ich verweise auf meinen Kommentar „Gesamtschule gegen Jugendkriminalität und Neurodermitis„.]

    Man kann ja wohl wirklich alles mit allem erklären wollen.
    Die „Experten“ waren wohl schon lange nicht mehr in Frankreich … aber so aus dem Bauch Kommentare schreiben und unbelegt Zusammenhänge herstellen ist ja auch viel lustiger!
    (Lieber Eckehard, darf ich auch einmal Gerhard Rieglers Wochenkommentar schreiben? Mir fallen da spontan viele Dinge ein, die weltweit nur auf das jeweilige Gesamtschulwesen zurückzuführen sind …. )

    [Anmerkung Quin: Ich veröffentliche bloß die Wochenkommentare von Gerhard Riegler. Für deren Inhalt ist er verantwortlich – auch wenn ich ausdrücklich betonen möchte, dass ich seine Analysen teile.]

    Und das lieber Kollege Esterer bezeichnen Sie als Expertise?
    Ich glaub da hat wohl unser viel gepriesenes alte Schulsystem auch versagt …

    Aber man kann alles krankjammern!

    So werden wir nie ans Ziel kommen und Schule lebendig entwickeln. Immer dastehen, Haare in der Suppe suchen und darauf warten, dass andere für uns das optimale System entwickeln und es allen (also der Öffentlichkeit) dann auch noch erklären ….

    Ich hab da einen netten Text (von unbekannt) gefunden:

    Gewinner und Verlierer, der Unterschied

    Der Verlierer ist immer Teil eines Problems.
    Der Gewinner ist immer Teil der Antwort.
    Der Verlierer hat immer eine Entschuldigung.
    Der Gewinner hat immer ein Programm.
    Der Verlierer sagt: „das ist nicht mein Job“.
    Der Gewinner sagt: „lass mich es für dich tun“.
    Der Gewinner sieht eine Antwort in jedem Problem.
    Der Verlierer sieht ein Problem in jeder Antwort.
    Der Verlierer sieht ein Problem in jedem Sandloch.
    Der Gewinner sieht das Grün neben jedem Sandloch.
    Der Verlierer sagt: „es könnte möglich sein, aber es ist zu schwierig“.
    Der Gewinner sagt: „es ist schwierig, aber es ist möglich“.

    Welches sind die Antworten der vielen Jammerer und Schwarzseher?
    Wo sind die aktiven und kreativen Geister?

    Ich vermisse die, die die möglichen Veränderungen als Chance sehen und aktiv mitgestalten!
    Das lieber Kollege Esterer schätzt die „Öffentlichkeit“!

    Sie hört aber immer nur die Worte der Verlierer!

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