„Schwachsinn“ im Wandel der Zeiten

In einem Standard-Artikel hält der Erziehungswissenschafter Ferdinand Eder Leistungsgruppen für „Schwachsinn“ und Begabtenförderung für unnötig. (1)

Das ist nicht nur deshalb beachtlich, weil Erziehungswissenschafter in Deutschland das genaue Gegenteil behaupten, sondern weil Eder selbst 2002 in einer Bilanzierung aller Schulversuche der Sekundarstufe I schrieb, „dass SchülerInnen vom Niveau der LG III [Leistungsgruppe III] in leistungsheterogenen Mittelschulklassen keine günstigeren Ergebnisse hinsichtlich Lernerfolgen, Befindlichkeit und Einschätzung des Klassenklimas aufwiesen als Schülerinnen der Leistungsgruppe III von Regel-Hauptschulen“ (2) – und das, darauf wies Eder 2002 noch ausdrücklich hin, „trotz hohen Ressourceneinsatzes und eines starken Engagements der Lehrenden“. (3)

Liegt dieser Sinneswandel an neuen Erkenntnissen oder etwa daran, dass 2002 Elisabeth Gehrer, eine Verfechterin des differenzierten Schulwesens, Bildungsministerin war und heute die Gesamtschulbefürworterin Claudia Schmied dieses Amt inne hat? Letzteres ist bei einem seriösen Wissenschafter natürlich unvorstellbar.

(1) http://tinyurl.com/2ubxy3z

(2) Günther Grogger, Werner Specht, Erich Svecnik, Ferdinand Eder, Gottfried Petri, Franz Rauch, Bilanzierung aller Schulversuche der Sekundarstufe I – Metaanalyse vorliegender Evaluations- und Erfahrungsberichte (Graz 2002), 5f.

(3) Grogger et al., Bilanzierung, S. 6.


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