Bildungsexperten

Bisher war ich oft höchst verwundert, wer von Politik und Medien als „Bildungsexperte“ bezeichnet wird. Nur ein paar Beispiele der letzten Tage in alphabetischer Reihenfolge: Bernard Hugonnier, Andreas Salcher, Bernd Schilcher.

Bernard Hugonnier, Deputy-Director for Education der OECD, hat einen Master- und einen Doktortitel in Economics. Andreas Salcher erwarb seinen Doktor in Betriebswirtschaft. Bernd Schilcher studierte Rechtswissenschaften und arbeitete als Universitätsprofessor am Institut für Zivilrecht, Ausländisches und Internationales Privatrecht an der Universität Graz.

Da Medien und die Politik einerseits ja selten irren, die drei genannten und viele andere Bildungsexperten über vielerlei Kenntnisse verfügen mögen, aber bestimmt über kein vertieftes Wissen im Bereich der Pädagogik, Erziehungswissenschaft etc. – kurz, im Bereich Bildung –, muss ich wohl meine etymologischen Annahmen korrigieren.

Bisher glaubte ich, dass sich „Experte“ von „expertus“, dem zweiten Mittelwort von experior ableite. Dann würde es eine Person bezeichnen, die Erfahrung auf einem Gebiet gesammelt hat. Die obigen Vertreter der Spezies „Bildungsexperte“ veranlassen mich allerdings zur Annahme, „Experte“ leite sich von „expers, expertis“ ab. Dann beschreibt „Experte“ eine Person, die an einer Sache unbeteiligt ist, an ihr nicht teilhat.

In diesem Sinn ist Österreich wirklich ein Volk von Bildungs- und Fußballexperten. Ich gehöre jedenfalls zu letzteren 😉

4 Kommentare

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4 Antworten zu “Bildungsexperten

  1. Severin Vetter

    Super Kommentar!!! Ich habe einmal Bernd Schilcher bei einer Diskussion erlebt. Er gehört ganz sicher zu der zweiten Sorte Experten, die, die von „expers“ abgeleitet sind!!

  2. Mag. Johann Hofer

    Ich gab vor längerer Zeit an Eckehard meine Recherchen zum Thema „Sittenbild der österreichischen Politiker“ weiter, mit relativ bescheidenem Echo seinerseits.
    Studieren Sie / Studiert ihr, bitte, die Bildungs-Karrieren der Ex-Buberlpartie Haiders und noch als Draufgabe der Ex-Finanz- und Wirtschafte-Gurus des Kabinetts Schüssel I und II, dann verspüren Sie / verspürt ihr vielleicht auch den Wunsch (bzw. den Zorn), dagegen etwas zu unternehmen.
    Was ich auch getan habe und solange ich von Demokratie überzeugt bin, auch weiter tun werde.
    Heute hört man nichts mehr von Gehrer und Schmied, morgen nichts mehr von Heinisch-Hosek, Salcher, Schilcher etc.
    Allein: der Schaden ist angerichtet. Haben wir etwas (vielleicht schon, aber genug) dagegen getan?
    Kommentare sind eh o. k., aber wozu?
    P. S.: Gerade jetzt, zu später Stunde, gehen mir die Wahlergebnisse aus Europa nicht mehr aus dem Kopf. Und meine Frage lautet:
    Kriegt man hier nicht schön langsam ein Legitimations-Problem?
    Da sind doch Salchers und Schilchers, Könnes und Glattauers lächerlich dagegen, oder?
    Die Frage ist nur: sind wir situierten LehrerInnen nicht auch schon so wie die PolitikerInnen, die die Probleme nicht sehen und nicht verstehen?
    Johann Hofer

    Anmerkung Quin: Es gibt einen großen Unterschied zwischen PolitikerInnen und „ExpertInnen“. PolitikerInnen haben eine demokratische Legitimation, „ExpertInnen“ hingegen nicht. Erstere kann man abwählen, Letztere, die sich politisch oder medial instrumentalisieren lassen, wird man allerdings kaum los.

  3. Thomas J.

    Die Wahrheit zwischen dir und Mag. Hofer liegt in der Mitte. Wenn ich eine politische Partei wähle und damit demokratisch legitimiere, erwarte ich mir auch von dieser, dass sie nicht eine Bankmanagerin zur Unterrichtsministerin, einen Maturanten zum Außenminister, einen Metaller zum Gesundheitsminister, … macht. Ich erwarte mir von den gewählten Parteien, dass auch diese fachkundige Experten für hohe politische Ämter auswählen und nicht nach Beliebigkeit die Minister wie Schachfiguren verschieben (Frauen, Beamte, Unterricht, Wissenschaft, Außenministerium, Finanzministerium, …). Nicht jeder kann alles! (Auch als Gesamtschulstatement tauglich 🙂 )
    Da kann ich deine Meinung zu den Experten gerne nachvollziehen und verspüre gleichzeitig den Zorn des Koll. Hofer. Zusammenfassend konstatiert ihr ja beide, dass es an echtem Expertentum fehlt.

  4. Pingback: Geisterstunde | QUINtessenzen

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