Gerhard Riegler: Zivilcourage

Ob der Zivilcourage im Ministerbüro Platz geboten wird, bleibt mit Spannung abzuwarten. An diesem Mittwoch passierte sie jedenfalls zwei Mal erhobenen Hauptes das Tor zur schulpolitischen Schaltzentrale: Die Unterrichtsministerin erreichten zwei couragierte Hilfeschreie in Form offener Briefe, die massiven Handlungsbedarf aufzeigen und auch ein Handeln der Schulpolitik einfordern:

Der offene Brief der LehrerInnen des Wiener Sigmund-Freud-Gymnasiums (1) bringt auf den Punkt, wo wirklicher Reformbedarf besteht: In ihrem schicken Büro mag sich die Ministerin bildungspolitischer Sozialromantik hingeben, den Lehrerinnen und Lehrern aber geht gerade in den Ballungsräumen nicht nur die Kraft, sondern vermehrt auch die Geduld aus. Während BM Schmied mit ihrer Werbeagentur an neuen bunten Inseraten bastelt, schlagen sie sich nämlich im Schulalltag mit Problemen herum, zu deren Lösung die Bildungspolitik die gesetzlichen Mittel (Stichwort: wirkungsvolle Sanktionsmöglichkeiten) ebenso verweigert wie das dringend nötige Support-Personal.

„Wir sind Lehrer/innen, keine Sozialarbeiter/innen!“

Diesen Hilfeschrei richten die LehrerInnen dieses Wiener AHS-Standortes an die politisch Verantwortlichen. Diesem Schrei schließt sich – davon bin ich felsenfest überzeugt – bereits die große Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer bundesweit an: Viele schreien noch still in sich hinein, immer mehr ergreifen die Initiative und verfassen Leserbriefe und Schreiben an PolitikerInnen, die sie uns zur Kenntnis bringen. Dieser Schrei darf und wird nicht mehr verstummen, bis man am Minoritenplatz endlich Augen und Ohren für die Schulwirklichkeit öffnet.

Der Landesverband der Elternvereine des Burgenlands zeigt in seinem couragierten offenen Brief (2) an die Unterrichtsministerin auf, wie weit diese Wirklichkeit von der ministeriellen Propaganda entfernt ist. Der millionenschweren „Neue Mittelschule“-Kampagne ist es ganz offensichtlich nicht gelungen, die burgenländischen ElternvertreterInnen zu blenden. „Oftmals haben Sie in Interviews betont, dass Ihnen jedes Kind in Österreich gleich viel wert ist“, erinnern sie die Ministerin an Zusagen, die der burgenländische Landesschulrat jetzt nach Belieben „links liegen“ lässt.

Die Zivilcourage dieser beiden Briefe beweist politische Bildung, die an unseren Schulen blüht und von uns auch an anderen Orten zum Gedeihen gebracht werden wird. Es lebe die Zivilcourage und alle ihre Helden!

(1) http://tinyurl.com/38luvn8

(2) http://tinyurl.com/3yw5hmc

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Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

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