Zufälle gibt es…

Gestern lese ich in einer APA-Meldung von einer Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw), die – nennen wir es einmal kreative – Forderungen an ein neues Lehrerdienst- und –besoldungsrecht erhebt. Von einem offenen Lehrerarbeitsmarkt (bei einem Monopolarbeitgeber?) ist da die Rede, von der Abschaffung der Pragmatisierung (Im Bundeslehrerbereich gibt es sie seit vielen Jahren nicht mehr!), von ganztägiger Anwesenheitsverpflichtung an der Schule (Haben die Autoren je den Arbeitsplatz eines Lehrers an einer durchschnittlichen Schule gesehen? Jedem Rindvieh gesteht das Tierschutzgesetz mehr Platz zu!), von der Beseitigung von Zulagen (als ob jemand fürs Nichtstun eine Zulage bekäme) etc.

Ich möchte den Inhalt nicht weiter kommentieren, sondern einige Zufälle nennen, die mir aufgefallen sind:

  • Die Studie erschien im November 2009. Damals hat sie offenbar keinen Menschen interessiert. Nun endet das Unterrichtsjahr, die Noten werden vergeben, die Ferien beginnen…
  • Auf der ibw-Website werden nur zwei ordentliche Mitglieder des ibw genannt, die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und die Vereinigung der Österreichischen Industrie (Industriellenvereinigung, IV). Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung äußern sich auffallend positiv zur Gesamtschule.
  • In jedem Gesamtschulland gibt es einen äußerst teuren und lukrativen Privatschulmarkt.
  • Das BMUKK gibt beim ibw eine sicher sehr teure Studie in Auftrag, in der massive Verschlechterungen für Lehrer in einem neuen Dienstrecht gefordert werden. Bezahlt wird das mit Geldern, die der Steuerzahler dem Bildungssystem zur Verfügung stellt.
  • Die Juristen des BMUKK werden zu dieser zweifellos komplexen Thematik nicht einmal gefragt. Man lässt einen Volkswirt und einen Volksschullehrer (1) eine teure „Expertise“ erstellen. Hauptsache, sie kommt vom ibw…

Zufälle gibt es! Es liegt wohl am vielen Regen in diesem Jahr, dass ich ständig an Sümpfe denken muss…

(1) Die Studienautoren sind Kurt Schmid und Richard Pirolt. Kurt Schmid ist gelernter Volkswirt, Richard Pirolt gelernter Volksschullehrer.

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