Gerhard Riegler: Blockierer?

Sehr viele LehrerInnen haben uns während des letzten Halbjahres Erfahrungen mitgeteilt, die sie im Alltag an „Neuen Mittelschulen“ machten. (1) Viele von ihnen haben sich davor (teilweise mehrmals) versichern lassen, dass ich ihre Identität ganz sicher niemandem verrate; zwischen Österreichs Bundesländern waren dabei eklatante Unterschiede unübersehbar. Bewegt hat mich die Angst von LehrerInnen vor der Schulbehörde ebenso wie ihr Vertrauen in unser Wort.

Unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten müssen wir uns umso mehr ins Zeug legen, wenn LehrerInnen – im Jahr 2010 – an sich selbst erfahren, wie schnell die Meinungsfreiheit an ihre Grenzen stößt. So freue ich mich sehr, dass das betroffene Schweigen der LehrerInnen nun auch im Kurier aufbrach. An Wiener Hauptschulen soll „Notendruck“ herrschen: mehr oder minder subtil ausgeübter Druck von DirektorInnen und Schulaufsicht, damit LehrerInnen nur ja keine negativen Noten geben. Exzessive Begründungen, die LehrerInnen bei einem drohenden „Nicht genügend“ abverlangt werden, und repressive Methoden, um LehrerInnen auf den „rechten“ Weg zu zwingen! Das alles, um politisch erwünschte „Erfolgsbilanzen“ nach oben melden zu können?

Via Medien erzeugt die Politik eine Stimmung, die LehrerInnen eine objektive Leistungsbeurteilung erschwert. Vorgesetzte stellen sich nicht schützend vor ihre LehrerInnen, wenn sie wahrheitswidrige Gutachten erstellen sollen. Das Ministerium lässt „ExpertInnen“ um viel Geld den Nachweis erbringen, dass Noten keine Aussagekraft mehr haben und macht dies – wie könnte es anders sein – den LehrerInnen zum Vorwurf. Das (für manche Beteiligte höchst lukrative) Ende dieser dekadenten Entwicklung: Die Politik schafft Institute, die für sehr viel Geld von außen überprüfen, was GutachterInnen von innen nicht mehr überprüfen können (sollen), und beklagt im selben Atemzug ein ach so teures Schulwesen. Die ersten Medien erkennen endlich manche Zusammenhänge.

Die Schulpolitik muss zur Besinnung gebracht werden! Da mancherorts das freie Wort nur erwünscht ist, wenn es politisch „korrekt“ ist, liegt viel Verantwortung bei uns, der von den LehrerInnen gewählten Vertretung. Eine Politik, die mündige LehrerInnen fürchtet, darf uns dafür ruhig „Blockierer“ nennen.

(1) Wir haben Ausschnitte aus den Rückmeldungen in vier Teilen veröffentlicht. Sie stehen zum Download bereit (Teil 1 http://tinyurl.com/2d6fk8c, Teil 2 http://tinyurl.com/38l4tdu, Teil 3 http://tinyurl.com/396egws, Teil 4 http://tinyurl.com/32qzh64).


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