Gerhard Riegler: Nachhilfe gegen HIV-2

Aussagen wie „Die Wissenschaft ist sich in der Befürwortung der Gesamtschule einig.“ werden zuletzt auch von Personen getätigt, für die derartige intellektuelle Aussetzer schlichtweg blamabel sind. Kein Koch wollte dermaßen unter Beweis stellen, nicht einmal die gängigsten Gewürze zu kennen. Doch während in der Gastronomie Qualität zählt und als selbstverständlich erwartet wird, wurde im Bildungswesen die Unkenntnis grundlegender Erkenntnisse, die jeder, der des Lesens mächtig ist, nachlesen könnte, leider salonfähig.

Die Taubheit gegenüber Aussagen renommiertester internationaler Bildungswissenschaftler scheint noch dazu hochgradig infektiös zu sein. Denn nicht einmal Ministerinnen vom Minoritenplatz scheinen dagegen immun zu sein. Da es gegen diese Form der Ignoranz noch keine Impfung gibt, werden wir, die ÖPU, zu einem pädagogischen Mittel greifen: der Nachhilfe.

Wir wollen mit der Vermittlung von Fakten gegen eine weitere Ausbreitung des „Humanen Ignoranz-Virus“ (HIV-2) vorgehen. Wir werden Forschungsergebnisse auf den Tisch legen, die die Politik erkennen lassen, was wissenschaftliche Erkenntnis und was ihr eigenes Getöse ist. Eintönige Vuvuzelas gehen derzeit vielen Fußballfans heftig auf die Nerven. Wenn’s um bildungspolitische Richtungsentscheidungen geht, sind sie jedenfalls fehl am Platz.

Wir werden die Aussagen auf den Punkt bringen, weil die Lektüre umfangreicherer Texte das Zeitbudget der unter Druck stehenden Politik erInnen überfordern könnte. Ihr Stress ist groß, wollen sie doch das Schulsystem möglichst schnell niederreißen. Als Einstimmung möchte ich folgendes Beispiel präsentieren:

„Die Gesamtschule schafft unterm Strich nicht mehr Bildungsgerechtigkeit als die Schulen des gegliederten Schulsystems – entgegen ihrem Anspruch und entgegen den Hoffnungen vieler Schulreformer.“

So lautete vor wenig mehr als zwei Jahren (1) die für ihn bittere Erkenntnis des renommierten Bildungsforschers Univ.-Prof. Dr. Helmut Fend, der ein Berufsleben lang gehofft hatte, die Gesamtschule wissenschaftlich argumentieren zu können.

Am Ende unserer Intensivnachhilfe sollen PolitikerInnen, auch wenn sie noch nie Zeit für die Lektüre eines einzigen bildungswissenschaftlichen Buchs gefunden haben, den ihnen gestellten Aufgaben gewachsen sein.

(1) Nachzulesen unter: http://bildungsklick.de/pm/59717/durch-sechsjaehrige-grundschule-werden-gymnasiasten-benachteiligt/

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Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

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