Gerhard Riegler: Koste es, was es wolle!

Dr. Andreas Unterberger, der sich trotz seines ideologisch bedingten Hinauswurfs als Chefredakteur der Wiener Zeitung nicht den Mund verbieten lässt, bringt es auf den Punkt: „Tatsache ist, dass die Gesamtschule vor allem von kinderlosen Politikern (Karl, Schmied) oder reichen Unternehmern (von der Industriellenvereinigung bis Alfred Gusenbauer) gefordert wird, die ihre eigenen Kinder in sauteure internationale Schulen schicken.“ (1) Angesichts gefährlicher Allianzen stellt sich derzeit bedrohlicher denn je die Frage, ob im Österreich des 21. Jahrhunderts das differenzierte Schulsystem mit seiner gewachsenen Vielfalt an Bildungswegen tatsächlich zerstört werden kann.

Ist es vorstellbar, dass sich alle Menschen einer freien Gesellschaft für ihre Kinder mit Einheitsschulen abspeisen lassen? Nur linke Phantasten können ernsthaft an die Durchsetzbarkeit einheitlicher „Zwangsbeschulung“ glauben. Doch ebenso, wie es sich die Politik nicht leisten kann, Bildungsangebote zu verbieten, könnten es sich die meisten Eltern nicht leisten, die immensen Schulgelder für Privatinstitute zu zahlen, wie sie in Gesamtschulländern gang und gäbe sind. Aus Erziehungsberechtigten, die ihren Kindern mehr bieten wollen als die kümmerliche staatliche Bildungsgrundversorgung, werden dort Zahlungsverpflichtete, die es sich entweder leisten können oder sich dafür in hohe Schulden stürzen.

Auf die Frage, ob höhere Bildung gewinnorientiert vermarktet werden darf, würde es von der großen Mehrheit der österreichischen Bevölkerung hoffentlich ein klares und striktes Nein geben. Doch gewinn-orientierte Wirtschaftsbosse und kurzsichtige VertreterInnen einer zum Glück schon lange überholten Ideologie gehen Hand in Hand – koste es, was es wolle! Es wird auch an uns liegen, ob ihre Propaganda die Einsicht, worum es in Wirklichkeit geht, vernebeln kann. Courage und soziales Denken sind gefragt!

(1) Salzburger Nachrichten, 27.5.2010, http://mein.salzburg.com/blog/kontroverse/2010/05/die-vergewaltigung-der-eltern.html


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