Gesamtschule gegen Jugendkriminalität und Neurodermitis

Gestrigen Pressemeldungen entnehme ich, dass die Gesamtschule das Heilmittel gegen Jugendkriminalität sei. „Deutsche Wissenschafter sind für gemeinsamen Unterricht. Hauptschule fördert Gewalt und Kriminalität bei den Jugendlichen“, titelt die „Krone“. „Hauptschule macht Jugend kriminell“, liest man in „Österreich“.

„Qualitätsjournalismus“ à la „Krone“ verschweigt geflissentlich, dass diese Studie auf einer Befragung von rund 45.000 Jugendlichen in Deutschland beruht, wo es ein viergliedriges Schulsystem mit Gymnasien, Realschulen, Gesamtschulen und Hauptschulen gibt und die Hauptschule tatsächlich eine „Restschule“ darstellt (1) – ganz im Gegensatz zu Österreich, wo der größte Teil der Schüler in der Sekundarstufe I die Hauptschule besucht und mehr als die Hälfte aller Maturanten aus der Hauptschule kommen. Durch solche Schlagzeilen wird eine Schulart in Misskredit gebracht, die Enormes leistet.

Wenige Tage zuvor lese ich im „Standard“, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau der Eltern und dem Auftreten von Neurodermitis bei Kindern bestehe. (2) Je gebildeter die Eltern, umso eher bekämen die Kinder diese Krankheit. Auch hier bietet sich eine Lösung an: Gesamtschule. Das senkt das Bildungsniveau.

Ich gestehe, bis jetzt noch keinen Artikel gefunden zu haben, der in der Gesamtschule ein Heilmittel gegen die Ölpest im Golf von Mexiko oder die aus Island kommende Vulkanasche sieht. Aber das kommt schon noch.

(1) Die Studie stellt fest, dass die deutschen Restschulen sprich Hauptschulen v.a. von sozialen Verlierern besucht werden, was die erhöhte Kriminalität erklärt.

(2) Online-Standard vom 25. Mai 2010


Ein Gedanke zu “Gesamtschule gegen Jugendkriminalität und Neurodermitis

  1. Es gibt noch viel mehr „Heilmittel“ sogenannter Experten: So kann man zum Beispiel eine Kiste fauler Äpfel damit wieder gut machen, wenn man sie mit einigen Kilogramm guter Äpfel mischt – oder?

    Damit möchte ich keineswegs irgendwelche Bevölkerungsgruppen mit faulen Äpfeln vergleichen, sondern lediglich die Denkweise mancher sogenannter „Wissenschaftler“ kommentieren.

    Übrigens: Ich weiß auch eine Methode, wie bei der nächsten Fußballweltmeisterschaft Österreich siegen wird: Man lässt die Auswahl bester österreichischer Fußballer („die Nationalmannschaft“) gemeinsam mit den Clubs der Landesligen, diversen drittklassigen Freizeitclubs und darunter trainieren. Dann werden die Nationalmannschaftsspieler endlich besser werden und in Zukunft reüssieren …. Das gilt natürlich nur im Denkmodell unserer neumodernen Bildungsexperten und ist keineswegs meine Meinung – ich fühle mich nämlich wie ein ganz normaler Mensch mit Hausverstand!

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