Gerhard Riegler: Woran es mangelt

Ärztemangel und Lehrermangel, beides steht Österreich ins Haus und gefährdet unsere hohe Lebensqualität – für die Politik eine Aufgabe höchster Priorität! Denn ein qualitativ hoch stehendes Bildungswesen stellt für eine Gesellschaft einen ebenso fundamentalen Wert dar wie ein erstklassiges Gesundheitswesen. Dementsprechend setzen auch medizinische und pädagogische Berufe eine intensive, langjährige Ausbildung voraus.

Verantwortungsbewusstes und weit vorausschauendes Planen wäre also Aufgabe der für diese beiden Bereiche zuständigen PolitikerInnen. Die inzwischen eingetretene Situation beweist aber, dass die Politik trotz signifikanter Datenlage nicht dazu fähig war, einer auf uns zukommenden Unterversorgung rechtzeitig und effizient zu begegnen.

Die für die ÄrztInnen-Ausbildung zuständige Ministerin Karl hat jetzt offensichtlich den Ernst der Lage erkannt und versucht, der Realität entsprechend zu handeln: Sie möchte den bisher dreijährigen Turnus angehender ÄrztInnen auf ein Jahr reduzieren, um den Beruf attraktiver zu machen. Junge Menschen sollen nicht in andere Staaten, die ihnen einen attraktiveren Berufseinstieg bieten, abwandern.

Die für die LehrerInnen-Ausbildung verantwortliche Ministerin Schmied möchte – im krassen Gegensatz zu ihrer Ministerkollegin am Minoritenplatz – unser einjähriges Unterrichtspraktikum in einen „Turnus für LehrerInnen“ verwandeln und ihn auf vier Jahre ausdehnen. Zumindest ließ sie sich diese Innovation von ihren „ExpertInnen“ empfehlen. Da drängen sich wohl nicht nur mir ein paar Fragen auf:

  • Möchte BM Schmied den auf uns zukommenden Mangel an LehrerInnen, den sie durch ihre „Imagepflege“ für uns PädagogInnen massiv gefördert hat, noch weiter verschärfen?
  • Welche Ziele verfolgt Österreichs Unterrichtsministerin? Steht die Schule ohne LehrerInnen auf dem Fahrplan ihres Bildungszuges?
  • Hat Schmieds schöne Schule keinen Bedarf an jungen Menschen, die sich für unseren anspruchsvollen Beruf entscheiden, um ihn über Jahrzehnte qualifiziert auszuüben?

Die Bildungspolitik braucht dringend einen Kurswechsel, der es für unsere MaturantInnen wieder attraktiv macht, ein Lehramtsstudium zu beginnen, um einmal in unsere Fußstapfen zu treten. Unqualifizierte QuereinsteigerInnen haben der österreichischen Schule bisher wenig Glück gebracht.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s