Gerhard Riegler: Bildung oder „Vitamin B“

Die Wirtschaftskrise dominiert die Schlagzeilen, weltweit steigt die Angst vor Massenarbeitslosigkeit und der daraus resultierenden Abwärtsspirale, die Staatsbudgets – siehe Griechenland und Island – blitzschnell an den Rand des Kollaps führen und all die dramatischen Folgen für die Bevölkerung nach sich ziehen kann.

Besonders eine hohe Jugendarbeitslosigkeit sorgt für Perspektivenlosigkeit und Aggressivität, die den sozialen Frieden massiv gefährden können. Was die bunte Gesamtschulpropaganda der Unterrichtsministerin verschämt verschweigt, fand sich kürzlich zum Thema Jugendarbeitslosigkeit in einem STANDARD-Artikel: „Spitzenreiter sind Lettland (Anm.: 43,6 %) und Spanien (Anm.: 39,6 %). Der EU-Schnitt liegt bei rund 21 Prozent. – Österreichs Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag zuletzt bei 11,7 Prozent.“ (1) Österreichs Jugendliche erweisen sich also nach ihrer Schullaufbahn trotz der schweren Krise als fit fürs Berufsleben, während zwei von fünf AbsolventInnen von Lettlands und Spaniens Gesamtschulen aller 6- bis 16-Jährigen keine berufliche Perspektive haben.

Auch die Legende, dass in Gesamtschulen die Zahl der SchulabbrecherInnen gering sei, wird am Beispiel Spaniens als fundamental falsch entlarvt: „2004 verließen 34 Prozent der jungen Menschen die Schule ohne Abschluss, 2006 waren es schon 40 Prozent.“ (2) Wer Österreichs Quote von 10 %, um die uns die meisten Staaten beneiden, nach wie vor als Argument gegen das differenzierte Schulwesen ins Treffen führt, ist entweder selbst ahnungslos oder setzt in abgehobener Manier auf die Ahnungslosigkeit der Bevölkerung. Spätestens jetzt können nur mehr realitätsferne Fantasten und Propagandisten die katastrophalen Folgen staatlicher Gesamtschulen leugnen.

Manche bräuchten allerdings kein erfolgreiches differenziertes Schulsystem. Wer ins sichere Netz der Partei hineingeboren wurde, hat gut lachen. „Faymanns junge Günstlinge“ (3) titelt der STANDARD und wirft ein Licht auf ein Netzwerk aus Polit- und Medienmachern: Nikolaus Pelinka, der junge – seit wenigen Tagen ehemalige – Pressesprecher BM Schmieds wird bei ÖBB und ORF bestens versorgt. Für manche scheinen Schmieds Inseratenmillionen eine gute Zukunftsinvestition gewesen zu sein.

(1) Der Standard vom 30. März 2010

(2) Der Standard vom 30. März 2010

(3) Der Standard vom 11. April 2010


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