Nordkorea und die Kommunalkredit

Am 3. November 2008 wird die Kommunalkredit Austria AG, die achtgrößte Bank Österreichs, durch eine Notverstaatlichung gerettet. Die Republik Österreich bezahlt zwei Euro für die Bank und übernimmt eine Bürgschaft in der Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Zugleich gibt es die Zusage, einen kolportierten „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ zuzuschießen und mit Haftungen für ausreichend Liquidität zu sorgen. Die Kommunalkredit fährt 2008 letztlich einen Verlust von fast 2,7 Milliarden Euro ein. Nur zur Erinnerung: Der Bund möchte mit härtesten Sparmaßnahmen im nächsten Budget 1,7 Milliarden Euro einsparen.

Nun lese ich heute im „Standard“ (1) von einer „streng geheimen“ Razzia bei der Kommunalkredit, an der „fast 30 Kriminalisten und zwei Staatsanwältinnen“ beteiligt waren. „Ermittelt wird wegen des Verdachts der Bilanzfälschung, Untreue und der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen. Beschuldigt sind 14 Manager: neben den Ex-Kommunalkreditchefs Platzer und Leopold Fischer auch Exvorstandsmitglied Claudia Schmied (heute Unterrichtsministerin) […] Für alle gilt die Unschuldsvermutung.“

Damit ist das wohl eine der größten Razzien, die es in Österreich seit Jahrzehnten im Umfeld der Politik gegeben hat. ORF und viele andere Medien schweigen dazu. Nur ein Schelm würde dabei an die hoch dotierten „Medienkooperationen“, Inseratkampagnen oder die politische Besetzung der ORF-Gremien denken. (2)

Wir leben wirklich in einem Global Village. So nahe hätte ich mich Nordkorea früher nicht gefühlt.

(1) Printausgabe vom 20./21. März 2010, online unter http://tinyurl.com/ykgdlr9

(2) Siehe z.B. meine Blog-Einträge https://quinecke.wordpress.com/2010/03/18/faydelisten-und-volksfront/ und https://quinecke.wordpress.com/2010/03/15/schmiedsche-luxusguter/

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Quins Kommentare

Eine Antwort zu “Nordkorea und die Kommunalkredit

  1. Karl

    Was können die armen Nordkoreaner – nämlich das Volk – dafür, was ihr Diktator macht!
    Was können die armen Österreicher dafür, was ihre gewählten Volksvertreter mach(t)en? Hoffentlich verjagen sie bald ihre Vertreter!

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