Gerhard Riegler: Und wer hat’s erfunden?

Was noch vor wenigen Jahren Luxus war, den man sich selten vergönnte, steht heute via Internet täglich kostenfrei zur Verfügung: die Lektüre internationaler Medien, die nicht nur in ihrer Printversion Format beweisen.

Der regelmäßige Blick nach Deutschland ist mir besonders wichtig, weil er Einblicke in einen mit Österreich vergleichbaren Staat gibt, der aber aufgrund seiner extrem ausgeprägten föderalen Struktur zu vielen schulpolitischen Fragen klare Antworten gibt. Als wäre das deutsche Schulwesen ein groß angelegter Laborversuch, finden wir Gesamtschulländer neben Bundesländern mit differenziertem Schulwesen, die zwei, drei und noch mehr Schularten parallel führen. Wer sehen will, kann Erfolgsfaktoren am realen Schulwesen studieren und ist nicht auf Spekulation angewiesen.

Aber auch die Schweiz sollten wir nicht übersehen, ist deren Schulsystem unserem doch in vielerlei Hinsicht ähnlich. Völlig anders aber als wir wissen die Schweizer, dass ihre Schule einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet hat und leistet, dass ihr Land nicht gerade das Armenhaus Europas darstellt. Von internationalen Normen und OECD-Vorgaben lassen sich die Schweizer wenig beeindrucken, kaum verunsichern und schon gar nicht hetzen. Man orientiert sich am Erfolg und Zukunftsinteressen, nicht an „Experten“ und anderen Nutznießern einer Verunsicherungspolitik.

In einem Schweizer Medium habe ich vor wenigen Tagen Gedanken eines deutschen Kollegen gelesen, die derzeit noch keinen Platz in österreichischen Medien finden. Er fordert nämlich die Rehabilitierung des Pädagogischen als „optimistische Gegenoffensive zu den strukturellen wie technokratischen Sackgassen der Bildungsdebatte“. (1) Das pädagogische Rad muss – ganz im Sinne des Kollegen – nicht neu erfunden werden, es muss nur aus dem Schuppen geholt werden, der es vor dem Reformaktionismus derer schützen musste, die nur mehr Räder mit Ecken zulassen wollten.

(1) Michael Felten, „Auf die Lehrer kommt es an!“. In: Die Zeit vom 23. Februar 2010. Michael Felten arbeitet seit 28 Jahren als Gymnasiallehrer für Mathematik und Kunst in Köln.


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