Gerhard Riegler: Großschanze oder Sprunghügel?

Die renommierte Frankfurter Allgemeine Zeitung widmete dem Schigymnasium Stams einen umfangreichen Artikel, über den wir uns ebenso freuen dürfen wie über die Erfolge der österreichischen Schispringer in Vancouver. Stams ist auch international zu einem Aushängeschild österreichischer Pädagogik geworden, weil dort junge Menschen nicht nur im sportlichen, sondern auch im intellektuellen und charakterlichen Bereich optimal gefordert und gefördert werden. (1)

Es reicht nicht, „was Gscheit’s zu essen“, um ein Morgenstern, Schlierenzauer oder einer der anderen Überflieger zu werden. Niemand wird bestreiten, dass Talent und Leistungswille unabdingbare Voraussetzungen für sportliche Spitzenleistungen sind. Selbst Stams kann nicht begaben, es hat aber die rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten, Begabungen optimal fördern, und nutzt sie. „Der Staat kann nicht ‚begaben‘, er kann und muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich Begabungen unabhängig von Milieus entfalten können.“ (2) So formuliert es Dr. Heike Schmoll, eine der renommiertesten Bildungsjournalistinnen des deutschsprachigen Raums.

Wer wollte Stams zwingen, jeden aufzunehmen, der sich zu olympischen Ehren berufen fühlt, auch wenn ihm Talent und Wille fehlen? Welcher Aufschrei ginge auch durch den mit bmukk-Inseraten überdüngten Blätterwald?! „Aus purer Verzweiflung darüber, dass Begabungen nicht umverteilt werden können, haben sich Bildungspolitiker oft genug dazu entschlossen, die Schwachen zu begünstigen und die Talentierten zu benachteiligen. Das Niveau wird gesenkt, die Begabten sind unterfordert und die weniger Talentierten nicht ausreichend gefördert, weil die Chancen ungleich genutzt werden.“ Solche Feststellungen Heike Schmolls abzudrucken kann sich die Frankfurter Allgemeine leisten. „Heute“ findet sich in „Österreich“ dafür natürlich kein Platz!

Loitzl, Morgenstern und Co haben sich optimale schulische Förderung verdient, junge Menschen, die weniger Talent haben, ebenso. Alle aber deshalb über Großschanzen hinunterzutreiben wagt keiner zu fordern. Der Sportminister ließe aber deshalb Schanzen nicht verbieten und zu Sprunghügeln abtragen!

(1) F.A.Z., 23.2.2010

(2) F.A.Z., 2.2.2010

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