Masterliche LehrerInnen

Die Lehrerausbildung der Zukunft kann meiner Meinung nach nur auf Masterniveau angesiedelt sein. Eine solche fünfjährige Ausbildung für LehrerInnen der Sekundarstufe ist internationaler Standard, wobei der fachwissenschaftliche Anteil meist deutlich höher liegt als in Österreich.

Notwendig ist eine gleich hochwertige, aber sicher nicht gleiche Ausbildung der LehrerInnen unterschiedlicher Schularten. Ein Volksschulkind, ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf und ein junger Erwachsener kurz vor der Reife- oder Diplomprüfung – sie alle haben andere Stärken, Schwächen und Bedürfnisse, denen nur speziell dafür ausgebildete LehrerInnen optimal Rechnung tragen können.

Die Lehrerausbildung ruht auf drei zentralen Säulen: dem fachlichen Wissen und Können (Fachwissenschaft), der Fähigkeit, dieses Wissen und Können zu vermitteln (Fachdidaktik), und der Fähigkeit und Bereitschaft, erzieherische Aufgaben zu übernehmen (gesellschaftlich bedingt von zunehmender Bedeutung). Nicht von ungefähr habe ich fachliches Wissen und Können an erster Stelle genannt. In der so genannten Coactiv-Studie unter Leitung von Jürgen Baumert, Direktor des Max- Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, wurden Eigenschaften von Mathematiklehrern der in Deutschland bei der PISA-Studie 2003/2004 getesteten Klassen analysiert. Das Ergebnis: Weder eine lange Berufspraxis noch umfangreiche fachdidaktische Kenntnisse können fachwissenschaftliche Lücken ausgleichen. LehrerInnen mit einem größeren fachlichen Wissen legen stärkeren Wert auf einen kognitiv aktivierenden Unterricht. Sie fordern ihre SchülerInnen mehr, lassen unterschiedliche Lösungswege von Aufgaben vergleichen und bewerten. Sie vermeiden ein eng geführtes Vorgehen, das den SchülerInnen nur einen möglichen Lösungsweg weist. Gleichzeitig gelingt den fachlich souveränen LehrerInnen die Klassenführung wesentlich besser als LehrerInnen mit geringerem Fachwissen. Hohe Fachkompetenz wirkt sich auch positiv auf die Disziplin einer Klasse aus.

Die fachdidaktische und pädagogische Ausbildung dient dazu, die Tragfähigkeit der beiden anderen Säulen zu garantieren. Hierbei erscheint eine enge Verwebung mit der schulischen Praxis dringend erforderlich. Auch für die Bewältigung erzieherischer Aufgaben gibt es theoretische und praktische Hilfestellungen, die den Studierenden vermittelt werden müssen. Zentrale Bedeutung kommt dabei aber der Autorität einer Person zu, womit nicht Autorität im Sinne von „Rohrstaberl“, sondern Autorität im Sinne von Persönlichkeit zu verstehen ist, für die ein hohes Maß an persönlicher Reife Voraussetzung ist.

Der Schwerpunkt des Bachelorstudiums von AHS-LehrerInnen sollte auf der fachwissenschaftlichen Ausbildung in zwei Fächern liegen. Vorgegeben könnte sein, dass die beiden Fächer „verwandt“ sein müssen, um die nötige fachwissenschaftliche Tiefe für einen „Fach-Bachelor“ garantieren zu können. Mit dem Erwerb eines solchen Bachelors stünden alle Berufsmöglichkeiten offen, die sich schon derzeit den AbsolventInnen derartiger Bachelorstudien erschließen. Eine Berufsberechtigung im pädagogischen Bereich sollte man über ein pädagogisches Masterstudium erlangen. Darin würden die nicht-fachwissenschaftlichen Studienfachbereiche gelehrt und erlernt – und zwar in einem Ausmaß, wie das derzeit an den Pädagogischen Hochschulen geschieht. Mit diesem Masterabschluss wäre dann die Lehrberechtigung an der Sekundarstufe I und II in den beiden Fächern verbunden, deren fachwissenschaftliche Kompetenzen man im Bachelorstudium erworben hat.

Die Vorteile einer solchen Studienstruktur:

  • Die Entscheidung für den Lehrberuf könnte nach einem Prozess der persönlichen Reifung und der Prüfung anderer Berufsoptionen erfolgen.
  • Die Mobilität zwischen verschiedenen Berufsfeldern würde deutlich erhöht.
  • HauptschullehrerInnen könnten durch ein 4-semestriges fachwissenschaftlich orientiertes Masterstudium die Lehrberechtigung für höhere Schulen erwerben.
  • Die Ausbildungsdauer würde um ein Semester verkürzt (derzeit 9 Semester Diplomstudium + 2 Semester Unterrichtspraktikum, dann 6 Semester Bachelor- und 4 Semester Masterstudium).

Weit ausführlicher habe ich meine Gedanken dargelegt in Eckehard Quin, Masterliche LehrerInnen?! Gedanken zur zukünftigen Ausbildung der SekundarstufenlehrerInnen. In: Erwin Rauscher (Hg.), LehrerIn werden/sein/bleiben. Aspekte zur Zukunft der LehrerInnenbildung, Baden 2008, 49-57.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Quins Kommentare

2 Antworten zu “Masterliche LehrerInnen

  1. Dem ist ja kaum etwas hinzuzufügen – volle Unterstützung!!!

  2. Hofstötter Hermine

    Soll es in der Lehrerausbildung für die Sekundarstufe I eine Differenzierung (nach HS und AHS) geben oder wird hier schon auf eine Eineitsschule der 10 – 14jährigen vorbereitet?

    Viele Grüße
    Hermine Hofstötter

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